Wie ich mir selbst [und dir] im Weg stehe

Ich bin kein Morgenmensch. Wie zähes Gummi ziehen sich die Bewegungen in den ersten Stunden des Tages. Mein Blick ist starr auf die Dinge und durch die Menschen hindurch gerichtet. Am Morgen kommen meine schlimmsten Eigenschaften zum Vorschein und diese zu durchbrechen fällt mir extrem schwer. Ich ziehe mich zurück in meine eigene Innenwelt. Meine Gedanken lösen sich von meinem Körper und laufen mir davon. Ich flüchte mich in ein Buch oder in die Weiten der musikalischen Melancholie. Die Wirklichkeit versucht mich einzuholen aber sie erreicht mich nicht… nicht wirklich.
Sprich mich nicht an, ich will in diesen Momenten unerreichbar sein.
Aber um welchen Preis?

„Würde meine Produktivität nicht erst um 10 Uhr Abends ihren Höhepunkt erreichen könnte ich früher schlafen gehen und morgens auch mal wacher und lebendiger sein.“ – Ein Glaubenssatz, den ich übernehmen oder verwerfen kann.

Ich könnte die Dinge so laufen lassen, sie vor mir hinschieben und hinter mir herziehen. Ich könnte mich durch meine Gewohnheiten definieren lassen, sie zu meinem Charakter machen. Dann wäre ich die Nachteule, die Träumerin, die Introvertierte, die Unnahbare… ich würde mich selbst in Schubladen stecken und diesen wiederrum Stempel aufdrücken, nur um mein Verhalten zu rechtfertigen. Ich könnte mir ein Bild von mir selbst konstruieren, das mir gefällt und mich eventuell von der Masse absetzt.

Aber was ist wenn sich dieses Bild dann plötzlich verselbstständigt?
Und was ist wenn andere Menschen in mein Blickfeld treten?

Mein Ego würde erkennen, dass es nicht alleine existiert – und es wäre verwirrt.
Doch ich sehe genauer hin und ich erkenne, wie wir uns unterscheiden und ich sehe welche Gemeinsamkeiten uns verbinden.
Du bist nicht ich aber du zeigst mir eine vergangene Version meines Denkens.
Ich erkenne Hilflosigkeit, Unsicherheit und Angst davor,
dass das Innere nach außen dringen könnte –
das tut es schon –
wer hinsieht begreift.
Aber es ist gut so,
denn wir sind nicht allein
– wir sind fast ein halbes Dutzend
wenn ich mich aufraffen würde,
mich in deine Richtung bewegen…
Wenn ich mich dafür entscheide
dir Aufmerksamkeit, Liebe und Vergebung zu geben.
Ein tagtägliches Geschenk,
das mir selbst ermöglicht zu leben.

~ Anne