flawed waters

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The waters may be flawed – yet we keep on swimming. The blood keeps on pouring, pulsing through our veins – it only means we’re still floating.

 

I do not claim that I have already succeeded or have already become perfect. I keep striving to win the prize for Christ Jesus has already won me to himself. Of course, my friends, I really do not think that I have already won it; the one thing I do, however, is to forget what is behind me and do my best to reach what is ahead.
[Philippians 3,12-13 GNT]

 

Straßengesichter

Ihre von faltiger Haut eingerahmten Augen sind manchmal erstaunlich klar, aber meistens verpasse ich es, weil ich mich nicht traue, genau hinzusehen. So war es zumindest früher oft. Ich wollte dem Leid nicht ins Auge blicken, weil es dann wie ein moralisches Verbrechen wäre, weiterzugehen, obwohl ich Bescheid weiß.

Inzwischen scheue ich sie nicht mehr, die Gesichter, die manchmal so viel über das Leben eines Menschen verraten. Ich schaue sie an, und finde schmerzhafte, aber auch erstaunliche Dinge darin. Wenn man will, kann man sie leicht überfliegen, aber eigentlich sind sie immer da und überall: Obdachlose.

In den letzten Tagen habe ich die unglaublich dekadenten, schönen, auch nicht so schönen, und vor allem riesigen Straßen von München ein kleines bisschen kennengelernt.

Ich liebe es, neue Orte allein zu entdecken, aber manchmal habe ich auch gerne Gesellschaft. Wenn man mit einer Person, die eine Stadt schon kennt, unterwegs ist, sieht man das spektakuläre Zusammenspiel von Gebäuden und Menschen immer durch den Filter des Anderen.

So war es auch diesmal, und auch deshalb fielen sie uns besonders auf: Die Menschen ohne Zuhause, mit ihren blauen Decken um den Schultern und einem schon benutzen Kaffeebecher mit roten Münzen zu ihren und meinen Füßen, manche in einer Haltung auf Knien auf jedes bisschen Restgeld harrend, manche in gebrochenem Deutsch etwas wie „Bitte“ murmelnd.

Nichts, was wir nicht schon alle gesehen hätten.

Nichts, was wir nicht schon alle wieder vergessen hätten.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe genug. Ich habe genug immer wieder etwas geben zu können und ich habe genug davon, in dem Zwiespalt aus schlechtem Gewissen weil ich es nicht tue, und dem Bedürfnis es nicht zu tun, weil es für wer weiß was ausgegeben werden könnte und sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, zu sitzen.

Ich hatte vor ein paar Jahren angefangen mit ihnen zu reden, den Menschen, die überall und nirgendwo (nicht) zuhause sind, und ihnen einen winzigen Bruchteil von dem zu besorgen, was sie brauchen: Windeln für das Kleinste, Brot für das Abendessen, Kaffee für die kalten Finger.

Wenn ich anfange, mit Menschen zu reden, bekommt die Person auf einmal Form und Farben. Sie ist nicht mehr nur eine Figur am Rand eines Sichtfelds. Ich verstehe dann, warum Menschen sind, wie sie sind, warum sie tun, was sie tun, und auf einmal gewinnen sie für mich an Bedeutung, wie ein Ausmalbild, dem jetzt durch bunte Farbminen Leben eingehaucht wurden.

Für meine Begleitung und mich in München war es fast natürlich kurz mit dem ersten Obdachlosen zu reden, der vor unserer Nase saß: „Romania, ce face“. Er hat mir nochmal kurz das Zählen in der anderen Sprache beigebracht und gelacht, weil er sich freute, uns seinen Namen sagen zu dürfen.

Nur ein paar gepflasterte Quadratmeter weiter saß eine Frau, und rückblickend weiß ich gar nicht so recht, was für Worte ich für ihre Beschreibung wählen soll. Ich weiß nur noch, dass sich unser Lächeln in ihren schönen grünen, aber wie mit Schlieren aus Sorge überlaufenen Augen spiegelte. Sie war wirklich hübsch, obwohl sie schon über 30 war, was auf der Straße oft bedeutet, dass sie noch nicht lange dort sind. Das Gesicht verhärmt mit der Zeit, und die Züge werden hart, weil in jeder einzelnen Falte die Resignation über das Schicksal wie festgewordener Beton sitzt. Der Schmerz dieser Frau dagegen war noch frisch. Die Umstände lachten uns dreckig ins Gesicht, als sie uns sagte, dass ihr Name Speranza sei. Hoffnung. Zerplatze Hoffnung. Verraten von der Welt. Niederschmetternde Realität.

Sie fragte uns nicht nach Geld, sie fragte uns nach Arbeit. Ihr Englisch war gut. Eine rumänische Mutter, die ihre drei Kinder in Bukarest zurückgelassen hatte, um dem Ruf einer Freundin zu folgen und in Deutschland, dem guten Land der tausend Möglichkeiten, Arbeit zu finden.

Als sie vor drei Wochen ankam, fand sie die Dinge anders vor, als sie es sich ausgemalt hatte, und auf einmal wurden alle bunten Farben ihres Bildes von der Zukunft grau wie der von tristen Wolken bedeckte Himmel über München.

Wir besuchten diese Frau am Tag danach wieder. Meine Freundin Lane hatte den ganzen Morgen damit zugebracht Speranza eine Karte mit Anlaufstationen für Obdachlose einzuzeichnen. Wir hatten uns gemeinsam überlegt ihr vorzuschlagen, dass sie das erbettelte Geld für ein Ticket zurück nach Rumänien zusammensparen, und wenigstens zurück zu ihren Kindern fahren könnte. Wir würden uns um den organisatorischen Ablauf kümmern.

„I want to help you, but I need to trust you“, sagte Lane, als wir uns mittags neben die Heimatlose setzten. Wir hätten keine Worte gebraucht, um die Rührung und die Dankbarkeit in Speranzas Blick zu deuten. Sie erzählte uns von ihren Kindern, ihrer schwierigen Mutter, dem bei einem Unfall verstorbenen Vater und dem Exmann. Keine allzu ungewöhnliche Geschichte. Fast schon zu gewöhnlich, um sensationsartig betroffen zu sein. Es war auch nicht so sehr die Geschichte, die mich packte, sondern die Persönlichkeit dieser Frau, in welche die Geschichte eingebettet war.

Ihre Sehnsucht nach einem besseren, von Armut gelösten Leben war so aufrichtig und rein, wie ihre Fingernägel schon seit Tagen nicht mehr. Und wenn man in solche sorgenvollen Augen einer Frau schaut, die nichts hat, außer das, was sie am Leib trägt, und welche dann aus Dankbarkeit für eine bloße Unterhaltung und dem Interesse an ihr ihre geschenkten Dinkelbiokekse mit dir teilen will, die vielleicht ihr Überleben sichern, dann kann man fast nichts anderes tun, als die Welt anzuschreien, Gott, irgendwen, den Himmel, für diese bodenlos ungerechte Verteilung von Armut auf der Welt.

Mir trieb es die Tränen in die Augen zu spüren, was diese Frau spürt, und mir treibt es die Tränen in die Augen während ich diese Worte schreibe. Weil es so wenig gibt, was ich tun kann. Und weil ich so schnell bereit bin, das Wenige was ich tun kann nicht zu tun.

Wenn man auf dem Boden sitzt, sind die einzigen Wesen, die einem auf Augenhöhe begegnen Hunde und Kinder. Wir ernteten nur befremdete Blicke von den Erwachsenen, die uns bei Speranza sitzen sahen. Und dann geschah auf einmal etwas Sonderbares, etwas, was uns wie ein Wunder erschien: Ein Mann, der es sehr eilig hatte, legte fast beschämt und im Vorbeigehen einen Geldbetrag in den alten Kaffeebecher, den die Frau in mehreren Tagen des Bettelns nicht erhalten hätte. Ich glaube, er wollte nicht, dass wir sein Gesicht sahen. Erst konnte es niemand von uns glauben. Dann begriffen wir.

Ich glaube, dass die Tatsache, dass wir als sozial anerkannte Menschen bei einer gesellschaftlich Ausgestoßenen saßen, eine Brücke zu denen gebaut hat, deren Blicke sonst auf einer ganz anderen Höhe umherschweifen. Die Geste des Wohltäters war so tief, fast respektvoll.  An diesem Geldschein haftete so viel Bedeutung, so viel, was ungesagt war und was wir doch verstanden. Ich sehe euch. Und es bewegt etwas in mir.

In diesem Mann hatte sich ein kleiner Funke geregt, eine schwach glimmende Glut, die mit ihren dunkelrot-orangenem Farbenspiel flüsterte, dass sie etwas beitragen wolle am guten Werk dieser Welt. Und diese Glut des Verstanden-Seins und des Gesehen-Werdens, wärmte unsere kalten Finger auf dem kalten Pflaster an einem grauen Mittwoch in München. Denn auf einmal war da wieder Hoffnung. Sie haftete an dem von der Bundesbank bedrucktem Papier, und brachte eine Botschaft mit sich:

Ein Schritt näher an Zuhause.

pinky promise

Für C und alle Anderen

 

Eifersucht is ne Bitch.

Sie saugt sich unbeobachtet fest wie schmutziges Pfützen Wasser im Rockzipfel, und kriecht verräterisch wie eine Schlange am Körper hoch, bis sie das Herz heiß zusammendrückt und die Gedanken kalt vernebelt. Eifersucht ist wie ein wildes Tier, das sich spitz in deinen Nacken krallt, doch als du es abschütteln willst, merkst du, dass es gar nicht auf dir drauf, sondern in dir drinsitzt, eingesperrt durch deine Körperwände. Ein Parasit, der sich von dem ernährt, was du selbst an dir magst, das was du kannst, das, was du denkst, dass du wert bist. Der bittere Atem, der aus seinem Mund kommt, ist ein beklemmendes, stummes Gefühl, das lähmend und vernichtend das flüstert, wovor alle immer Angst haben: „Du bist nicht genug. Du kommst zu kurz. Du bedeutest nicht so viel wie sie.“

Ich hasse Eifersucht, weil sie lodernd und ohne Gnade alles Gute in einer lebendigen Gedankenwelt verbrennt, und nur noch einen zugeschnürten Sack kalter grauer Asche hinterlässt. Kein Wunder, dass Menschen um sich schlagen. Kein Wunder, dass ich um mich schlage. Kein Wunder, dass alles grau wird.

Wenn du an einen neuen Ort ziehst, dann weißt du vorher noch nicht, dass du dort vielleicht eine Kombination aus den dir irgendwann liebsten Menschen der Welt finden wirst. Und wenn du dann mal da bist, dann kannst du es vielleicht immer wieder gar nicht fassen, dass ausgerechnet du das erleben darfst, diese Gruppe aus Leuten, die ungefragt bei dir an der Tür klingelt, die jeden Sonnenstrahl mit dir einfängt und dir erhält und die jeden Ort mit dir erkundet, ganz ohne Plan, sondern einfach weil man sich ins Auto gesetzt hat und mit lauter Musik und quietschenden Reifen losgefahren ist.

Was wir Menschen so oft vergessen ist, dass nicht nur die Sonnenstrahlen, sondern auch die Regenwolken eingefangen werden müssen. Spätestens, wenn sich die seichten Schwaden eines dummen Gedankens, eines winzig piksenden Stachels der Verletzung zu Haufen des Unausgesprochenen über uns zusammenballen, ist es Zeit, ihnen das Gewicht und die Dunkelheit zu nehmen.

Lass uns mal reden. Viele Tränen müsste es nicht regnen, wenn wir mehr reden würden, und viele Pfützen würden sich nicht in unserem Rockzipfel festsaugen, wenn wir mehr aussprechen würden, was uns belastet. Denn durch die dunkeln Wolken über uns seh ich nicht so gut, ich seh nicht richtig wer du bist, und das dunkle verzerrte Bild, das ich von dir habe, bleibt, während ich versuche immer mehr Abstand zwischen dich und mich zu bringen, weil ich auf einmal Angst habe, dass du mich bestiehlst.  Mir meinen Wert klaust, das was mir heilig ist nimmst, und damit abhaust, und voller Bitterkeit schaue ich zu dir rüber, kann nicht weggehn, am liebsten will ich wegsehn, doch der faulige Atem des Tieres in mir fixiert meinen sengenden Blick und zwingt mich, mich zu dir zu drehn.

Ich will weniger Eifersuchtsgewitter in meinem Leben, in meiner Stadt, in dieser Welt. Ich wünsche mir so sehr, dass wir die Wolken zwingen sich zu entladen, bevor die Blitze aus unseren Augen zucken, und dann ist es okay, dass es auch mal dunkel wird über unserer Freundschaft. Wir kennen uns ja inzwischen auch schon etwas länger und es ist inzwischen viel passiert und einiges haben wir auch kaputt gemacht, weil wir uns mit der Zeit zusammen bewegen und als menschliche unperfekte Wesen aufeinander drauftreten.

Lass uns bitte nur nie aufhören darüber zu reden, denn jedes ungesagte Wort ist ein Stück Strecke, das wir weiter auseinander gehn. Aber wenn wir ganz nah zusammenstehen, dann seh ich immer noch die Sommersprossen in deinem Gesicht und das Mohnkorn, das noch vom Frühstück zwischen deinen Zähnen hängt, und dann bist du nichts Schlimmeres, als eine Freundin, die sehr gesegnet ist, und ich auch, denn ich darf ja neben dir stehen.

Kleiner Fingerschwur: Lass uns weniger eifersüchtig sein und mehr zusammenhalten.

Dieser Weg

IMG_3886Versinke in Meeren aus Buchstaben und such nach einem, an den ich mich klammern kann. Jedes Wort bringt mich dorthin zurück wo alles begann, weil es in genau jener Zeit entsprang, in der die Tagesmelodie von hier aus betrachtet noch leichter und unbeschwerter klang.

Was ich im Hier und Jetzt habe, ist unglaublich viel, aber ein bisschen fehlt mir das mich begeisternde Ziel. Wohin soll ich gehen, in welchem Winkel der nächste Schritt, was ist die nächste Vorstellung vom Leben die mein Fuß der Vernunft folgend zertritt, wen von allen nehm ich auf meinem weiteren Lebensweg mit?

Ich werde niemals auch nur irgendwohin laufen können, ohne mich gleichzeitig näher zum Einen und weiter vom Anderen wegzubewegen, und manchmal ist der Ort, an dem ich mich dann wieder finde wie trockener Regen, vollkommen absurd, unpassend und rein gar nicht wie in meiner naiven Erwartung ausgemalt und verlegen versuch ich, es hier ein bisschen wie gewollt aussehen zu lassen, mich unauffällig an einen passenden Platz im verstreichenden Moment zu bewegen, stoße aber immer irgendwo dagegen.

Manchmal gibt es diese Lebensmomente, da passt einfach alles, wie zwei unterschiedliche Takte, die für einen Wimpernschlag im selben Rhythmus schlagen, aber im nächsten wieder aneinander vorbei. Irgendetwas eckt immer an, auch wenn es nur die Gewissheit ist, dass man diesen einen perfektionsgeladenen rhythmischen Wimpernschlag nicht festhalten kann. 

Mein „Für immer“ ist nicht hier auf dieser Erde, nicht hier in diesem Leben, nicht hier in diesem Moment. Was bleibt mir anderes übrig, als die verkrampften Fäuste zu öffnen und ziehen zu lassen, was sowieso niemals dafür gemacht worden ist, für immer zu bleiben?

 

Surely your goodness and love will follow me all the days of my life, and I will dwell in the house of the LORD forever.

das Mädchen vor mir

Es scheint die beliebteste Frage

vieler kleiner Mädchen zu sein.

Die noch in glitzernden Blasen von Pferden und Schlössern träumen, Kleidchen tragen und auf Prinzen warten. Warten…

Auf all diese Dinge, die ich niemals gegen meinen Abenteuerwald hätte tauschen wollen.

Es scheint ihre beliebteste Frage zu sein.

Sie stellt sie mit einem breiten, schelmischen Grinsen.

Oder einem verlegenen Kichern.

Um sich dann entweder

mit hüpfenden Schritten best möglichst zu verstecken.

Oder mit verschwörerischen Blicken

den potenziellen Partner zu erspähen.

Neugierig, mit aufgerissenen Augen

bleibt sie vor mir stehen.

Dann stemmt sie ihre dünnen Ärmchen in die Seiten,

Hebt ihr Köpfchen zu mir hoch, so dass ihre langen Zöpfe und zerzausten Strähnchen in ihren Nacken fallen.

Um nun,

jede Regung aufzunehmen,

zu analysieren und zu bewerten.

„Bist du verlieeebt??!“

In den meisten solcher Situationen der letzten Jahre habe ich ebenso schmunzelnd den Kopf geschüttelt, verneint oder mich lachend gefragt was ausgerechnet wir Mädchen immer wieder so spannend an dieser Frage finden.

Und jetzt in diesem Moment stelle ich mir selbst mit verschwörerichem Blick diese Frage.

Zumindest in sofern ich mir selbst Blicke zuwerfen kann…

In diesem Moment

Während ich durch die nächtlichen Straßen schlendere,

die Abendluft sich wie eine Decke um meine Schultern schlingt und das Licht der Schaufenster viel intensiver, als vier Stunden zu vor, auf die Steine zu sinken scheint.

~Denn mein Herz tanzt~

Nicht ganz passend zu dem Blues der durch Kopfhörer an mein Trommelfell schwappt.

Viel mehr zu der Nacht und dem leichten Wind.

Zu der Ruhe und der Zeit die ich mir nehme,

All die wunderschönen Menschen zu beachten, die mir Arm in Arm entgegen kommen,

Am Brunnen sitzen, auf einander warten, sich beeilen.

Nicht immer, aber gerade jetzt hab ich Zeit.

Nicht immer, aber gerade jetzt renne ich nicht zum Zug.

Einfach nur weil ich mich dazu entschieden habe.

Um diese vermeintliche Ruhe zu beachten, die diese Nacht mit mir teilt.

Hier bin ich.

~Verliebt in das Gefühl zu leben~

Oder in die Tatsache dessen…

In diesen einen tiefen Atemzug.

Und in die wage erkennbare Masse, gleichmäßig dahinplätschernder Diversitäten.

Spiegelungensaga

Man kann kaum durch die Welt gehen, ohne dass man gespiegelt wird. Mein Gesicht und mein Körper im silbernen Glas, meine Bewegungen in Schaufensterscheiben, mein Verhalten durch das der Menschen, die um mich herum sind.

Es ist unmöglich mich nicht selbst zu sehen, neben den Anderen. Ein Spiegelbild, so neutral und doch so unglaublich machtvoll. Alles zeigend: Was ich sein will, und was ich nicht sein will, aber trotzdem bin. Neben mir: Wer oder was ich gerne sein würde.

Wir leben in einer Spiegelgesellschaft, immer auf der Suche nach dem schöneren Spiegelbild, weil das, was wir sehen, immer wieder viel zu viel Konkurrenz hat. Als ob die Konkurrenz weniger werden würde. Je mehr Raum ich ihr gebe, desto mehr Fläche nimmt sie ein. Und irgendwann werde ich blind, geblendet, von dem, was ich vielleicht sehen könnte, wenn ich eine bessere Version meiner selbst wäre. Ich versuche mehr und härter, will hoch hinaus, bis ich auf der spiegelglatten Oberfläche ausrutsche.  Die Scheibe splittert, und bohrt sich in meinen Rücken, dort, wo ich mir keinen Schutzpanzer zugelegt habe. Dort, wo ich selten hinsehe. 

Vielleicht suchst du verzweifelt nach der Zufriedenheit in deinen Spiegelungen. Betrachtest jedes winzige Detail mit der Lupe. Und findest nur Sehnsucht danach, zu genügen.

Spiegel ab und an zu gebrauchen ist weise. Wenn die Spiegel aber dich gebrauchen, wirst du zum gehetzten Objekt im eigenen Spiegelkabinett. Herumirrend, gleichzeitig auf der Flucht vor dir selbst, aber trotzdem bist du alles, was du als Ziel vor Augen haben könntest.

Ich glaube, das wahre Ziel ist hinter dem Spiegel. Nur wenn wir unseren Blick von uns selbst nehmen, und ihn auf das richten was vor uns liegt, was jetzt gerade um uns herum liegt und auf das, was über uns liegt, finden wir mehr Ruhe.

 

Denn ich weiß,

groß wie das Firmament

ist da die Hand des Gottes,

der mich durch und durch kennt

der Schönheit vollkommen neu benennt,

und all meinen Minderwert und meine Schuld

mit seiner Liebe verbrennt.

 

so grab a stone my friend

for the power of the mirrors shall end.

 

Jazz

 

The rhythm within

If I had my own rhythm,
Where would I find it?

I danced the occasional blues
But soon I needed to losen those roots
still grounding me.
Their hold was too tight.
Now I’m retrieving those treasures
I once burried below –
And it’s so painfully liberating.

A chain reaction has begun
Starting with a spark of hope
It ignites a flame
And soon my body catches fire –
I’m ready to be part of the elements

Like rain –
Come tear drops
The flow comes naturally with the tide
My breathing is steady for the first time

My feet are suddenly light –
Revelling with the ambiance
Not attached but still knowing
How to find their way back to the ground

There’s this mutual reaction
Between the air and my hips
My lips form a smile
(Like) it’s the logical consequence
I can not and needn’t control it
It comes from much deeper within.

Soaked in silence
I’m drooping my limbs.
Should I keep my eyes closed?
Should I face myself now? –

Everything’s warm,
Still smoking hot from the fire.
Now I can decide if I tolerate
To get dazzled by its glow
Or if I choose to open up to the light…

– „I think I found my rythm“,
Is all that comes to my mind
Releasing one last tear
I open my eyes

What I see then
makes me fall down on my knees:

A thousand candles blowing in the wind –
A forrest of burning torches –
A sea of light –
Until all is fire
And noone remembers the face of darkness anymore.

.

 

Usually I’m not a fan of explaining my poetry but today I’ll make an exception.

I will only use a few words:

This peom is not about dancing. Dancing is only a medium, a tool.
It’s about finding your rhythm – metaphorically speaking – finding the true meaning of life.
It’s about those questions every human being will pose at some point of his or her life.
It’s about facing your own past, living in the present and gathering hope for the future.
It’s about finding happiness and peace right where you stand.
It’s about healing and it’s about freedom.

If you read this I hope and pray you will find the strength and courage to go and look for your rhythm. Be brave and take the first step towards the essence of life.

I don’t believe in coincidence I believe in truth and that we can find it within ourselves and that it makes us free.
To cut a long story short:
I believe there’s a God who provides all of that and even more.

~ Anne