Wie ich mir selbst [und dir] im Weg stehe

Ich bin kein Morgenmensch. Wie zähes Gummi ziehen sich die Bewegungen in den ersten Stunden des Tages. Mein Blick ist starr auf die Dinge und durch die Menschen hindurch gerichtet. Am Morgen kommen meine schlimmsten Eigenschaften zum Vorschein und diese zu durchbrechen fällt mir extrem schwer. Ich ziehe mich zurück in meine eigene Innenwelt. Meine Gedanken lösen sich von meinem Körper und laufen mir davon. Ich flüchte mich in ein Buch oder in die Weiten der musikalischen Melancholie. Die Wirklichkeit versucht mich einzuholen aber sie erreicht mich nicht… nicht wirklich.
Sprich mich nicht an, ich will in diesen Momenten unerreichbar sein.
Aber um welchen Preis?

„Würde meine Produktivität nicht erst um 10 Uhr Abends ihren Höhepunkt erreichen könnte ich früher schlafen gehen und morgens auch mal wacher und lebendiger sein.“ – Ein Glaubenssatz, den ich übernehmen oder verwerfen kann.

Ich könnte die Dinge so laufen lassen, sie vor mir hinschieben und hinter mir herziehen. Ich könnte mich durch meine Gewohnheiten definieren lassen, sie zu meinem Charakter machen. Dann wäre ich die Nachteule, die Träumerin, die Introvertierte, die Unnahbare… ich würde mich selbst in Schubladen stecken und diesen wiederrum Stempel aufdrücken, nur um mein Verhalten zu rechtfertigen. Ich könnte mir ein Bild von mir selbst konstruieren, das mir gefällt und mich eventuell von der Masse absetzt.

Aber was ist wenn sich dieses Bild dann plötzlich verselbstständigt?
Und was ist wenn andere Menschen in mein Blickfeld treten?

Mein Ego würde erkennen, dass es nicht alleine existiert – und es wäre verwirrt.
Doch ich sehe genauer hin und ich erkenne, wie wir uns unterscheiden und ich sehe welche Gemeinsamkeiten uns verbinden.
Du bist nicht ich aber du zeigst mir eine vergangene Version meines Denkens.
Ich erkenne Hilflosigkeit, Unsicherheit und Angst davor,
dass das Innere nach außen dringen könnte –
das tut es schon –
wer hinsieht begreift.
Aber es ist gut so,
denn wir sind nicht allein
– wir sind fast ein halbes Dutzend
wenn ich mich aufraffen würde,
mich in deine Richtung bewegen…
Wenn ich mich dafür entscheide
dir Aufmerksamkeit, Liebe und Vergebung zu geben.
Ein tagtägliches Geschenk,
das mir selbst ermöglicht zu leben.

~ Anne

Einsamkeit ist nicht rational

Foto 04.10.18, 19 59 39Einsamkeit ist das schlimmste Gefühl der Welt. Einsamkeit ist nicht rational.

Man kann einsam sein, wenn man alleine um drei Uhr morgens in einem Hotelzimmer sitzt. Man kann einsam in der ersten eigenen Wohnung sein. Man kann einsam sein, wenn alle Freunde zu beschäftigt sind, um Zeit mit einem zu verbringen. Man kann aber auch auf einer Party umgeben von Menschen oder in der coolsten WG der Welt einsam sein.

Einsamkeit ist nicht das intensivste Gefühl der Welt. Es gibt viele Möglichkeiten sich von Einsamkeit abzulenken, man kann eins seiner Lieblingsbücher lesen, man kann rauchen, trinken oder eine Serie schauen, die man so in- und auswendig kennt, dass sie sich so vertraut wie zu Hause anfühlt. Aber selbst die beste Ablenkung der Welt hat nur eine begrenzte Wirkungsdauer.

Einsamkeit macht einen kaputt. Nicht indem sie einem weh tut. Nicht indem sie einen traurig macht, Traurigkeit vergeht. Einsamkeit projiziert ein falsches, verzerrtes Bild des sozialen Umfeldes. Indem sie suggeriert, dass man seinen Freunden und überhaupt der Welt egal ist, sorgt sie dafür, dass man sich selbst egal wird.

Einsamkeit ist das schlimmste Gefühl der Welt. Einsamkeit ist nicht rational.

Einsamkeit ist nicht entgültig.

Denn selbst die dunkelste und kälteste Nacht wird irgendwann, urplötzlich von den ersten Sonnenstrahlen durchbrochen. Was für ein Klischee. Aber der zutreffendste Vergleich der mir einfällt.

– Joe

 

I know should feel free, yet I continue to sing this sad refrain
I can’t sleep and food has lost its taste
God, I’m so sick of this place

Then I’m touched
By the hands of a brother
And like a rush
Passing through my exterior
I hear my name
A hush
A son, loved by a Father
I’ve been made alive again

– Being As An Ocean, „This Lonliness Won’t Be The Death Of Me“

Ich bin ein gebündelter Haufen aus Prokrastination, fehlgerichteter Motivation, Träumerei und Trägheit. ein Sturm aus Gedanken, die der Definition der Gesellschaft nach unzumutbar sind, für die kein nachhaltiges Verhalten denkbar wäre. Und Stimmen in mir richten und verurteilen mich, machen sich lustig über meine unsaubere Ausdrucksweise, die seit jeher doch eigentlich meine erste Sprache sein sollte. Ich bin ein Mischmasch aus zu vielen Kulturen, von der jeder jetzt ein Streifen Stoff des viel zu bunten Gewandes meiner Identität entspricht. Ich bin ein Chaos, ein Papagei, schlimmer als ein schwarzes Schaf; ein Schaf, dass sich in Blumenfeldern aller Art gebadet hat. Auffällig und unzuverlässig, ressourcenvernichtend, rebellierend und ein Exempel für die stereotypischen „Lebe im Moment“ Studenten, die eigentlich nur studieren um des Studieren willens.

Doch meiner Position wird ein Wert zugesprochen, der unvergleichbar gewertet wird mit dem Rest der Welt. Im Geäst meiner Seele gebärt eine Flamme und versorgt mich mit einem Mut, der jede Art von Ketten pulverisiert. Eine Flamme, die mich erkennen lässt, dass Jemand da ist, der mir zeigt, dass ich meine Augen nach oben, in Funkeln des Liebäugelns richten kann. Soll ich mich doch weiterhin
von den Umständen, und vom Feind gedanklich richten lassen – vollends im Wissen, dass aber Er der letzte Richter über allem ist. Inmitten meiner bittersüßen Definitionen meines Selbst, bewies er mir, dass ich mich selbst akzeptieren und lieben lernen kann.

Eiswürfel

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Das Eis schmilzt in der durchsichtigen Flüssigkeit. Sein Pullover riecht nach ihm und ich will darin versinken. Wie in einem Bett in das man sich nach einem zu langen Arbeitstag fallen lässt, zwischen die riesigen Kissen und direkt unter die Decke. Bald sind nur noch wenige Eiswürfel übrig.
Das Mädchen wirft die Hände in die Luft und ruft es laut heraus: „Heute sind wir jung und am leben und das soll ruhig jeder wissen“. Denn zu leben ist das einzige Vergehen, dass man sich fast leisten kann. Das Entschuldbarste von allen. Wer ist schon zurechnungsfähig im Eifer des Gefechts wenn so viel auf dem Spiel steht.
Manchmal will man auch nur ein Mädchen sein. Man will das Mädchen sein, dass alle anstarren wenn es den Raum betritt. An dem jeder Blick hinunter und hinauf fährt, wegen dem man fast unwillkürlich pfeift, warum, das ist die andere Frage. Manchmal möchte man einfach nur sehr schön anzusehen sein. Und eine Zierde für seinen Verstand bilden. Und manchmal auch eine Zierde für seinen Freund.
Ich bekenne das, schließlich ist es besser es zu sagen als so zu tun als wäre ich als Feministin kein Mädchen. Als wollte mein Frauenkörper nicht die Anerkennung seines Männerkörpers. Aber vor allem sehnt sich meine Gedankenwelt nach seinem betäubenden Geruch. Diese Mischung aus Liebe, Zuhause, Familie und „mit mir wirst du Abenteuer erleben“ ist was mich immer wieder groß träumen lässt.
Lass uns groß träumen.

 

[Rahmenbedingungen / Frameworks]

Letzten Monat war eine Freundin seit langer Zeit wieder zu Besuch und anstatt schon gleich in den regen Austausch von Erlebnissen und Eindrücken zu gehen, beschlossen wir das örtliche Museum zu besuchen. Wärend wir so umherschlenderten fielen uns immer wieder einige unpassende Bilderrahmen auf, die eigentlich die Gemälde angemessen präsentieren sollten. Doch leider waren viele Rahmen in ihrer Form und Farbe absolut unvorteilhaft für die eigentliche Kunst, da sie ihrem Inhalt keineswegs gerecht wurden. In manchen Fällen schien der Rahmen tatsächlich sogar eindrucksvoller als das Gemälde selbst. Und nur in wenigen Fällen ergaben Bild und Rahmen eine wirklich ausstellungswürdige Komposition. Doch an diesen Gemälden blieben wir länger stehen und betrachteten sie um uns an dem schönen Zusammenspiel von Leinwand, Holz und Farbe zu erfreuen.

Seit diesem Tag versuche ich in vielen Situationen (die nicht unbedingt immer etwas mit „Kreativ-Kunst“ zu tun haben) eine gewisse Weitsicht beizubehalten. Ich versuche gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ich finde manchmal sollte man sich wenigstens auf anstehendes Chaos vorbereiten können, das in so vielen Bereichen des Lebens hervortritt. Ich kenne das Gefühl nur zu gut: Alles auf den letzten drücker machen, abgeben, … weil Aufschieben nun mal wirklich verlockend ist. Aber selten hole ich so das beste aus mir raus. Mein Potenzial wird nur angekratzt, weil es nicht die Möglichkeit bekommt sich zu entfalten.

Und das gleiche gilt für die Nachbereitung.
Nachbereitung? Was ist das überhaupt?
Für mich kann das von ganz normalem Nachdenken, über Reflexion, bis hin zu Gesprächen mit anderen Menschen mit Raum für ihre Tipps und Verbesserungsvorschläge gehen. So kann man aus Fehlern lernen (was die allerbeste Gelegenheit zum Lernen und zu spürbaren Verbesserungen bietet!).
Vor allem durch die Hilfe von Freunden oder Bekannten bekommt man die Möglichkeit auch mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Es ist wichtig aus der gegebenen Situation herauszutreten und die Dinge mit einem gewissen Abstand zu betrachten. So fallen einem ganz neue Sachen auf und man beginnt automatisch damit an sich selbst zu arbeiten.

Wachstum vorantreiben, damit man nicht in einer Sackgasse zum Stillstand kommt.

[Und weil ich im Grübeln und Nachdenken schon lange eine Meisterin bin, arbeite ich in Zukunft an meinen vorrausschauenden und -planenden Fähigkeiten. Der Fortschritt ist immer sehr willkommen!]

~ Anne

holy shit.

Es ist ärgerlich, wenn der letzte Bus nach Hause einfach so ausfällt und niemand da ist um dich von der Haltestelle abzuholen. Vielleicht sehe ich es nicht ein mir ein Taxi zu nehmen, vielleicht hatte ich auch ein Bier zu viel, vielleicht brauchte ich aber auch Zeit für mich. Letztendlich hab ich nachts um 1 alle möglichen Abkürzungen gesucht um irgendwie nach Hause und in mein Bett zu gelangen. Und seit langer Zeit hatte ich wieder Angst im Dunkeln und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst vor Wildschweinen. Ich musste einfach darauf vertrauen, dass Gott mich beschützt und nicht zulassen wird, dass mir irgendetwas zustößt. Vielleicht müssen wir manchmal dazu gezwungen werden Zeit mit Gott zu verbringen. Manchmal habe ich einfach keine Lust mich an Gott zu wenden, auch wenn ich genau weiß, dass er mir helfen kann und möchte. Schön blöd! Ich weiß…
.
Warum holyshit? Es ist kein cooler Name, nicht wirklich. Vielleicht ist er auch nicht besonders originell. Aber es gibt so viele dieser Momente, die einfach gerade heraus als „Scheiße!“ betitelt werden müssen. Und wenn wir vergessen Gott genau in diese Momente zu lassen bleibt alles schlichtweg scheiße.