Wie lange willst du oben bleiben?

Eine Wortansammlung für all die, die sich in einem sich rasant drehenden erste Welt-Land von Lebensaufgaben erschlagen fühlen und sich fragen, wie zum Henker das mit dem Gleichgewicht halten funktioniert.

Man sollte als unbeteiligte Person nicht auf einen Spielplatz gehen, sich umschauen, und erwarten, dass man nicht als seltsam abgestempelt wird.
Wenn man es aber tatsächlich mal tut, stellt man fest, dass da kleine Menschen sind, die auf irrwitzig kleinen Füßen im Pinguinschritt hin-und herwackelnd herumrennen, und alles vergessen, was sich ausserhalb des Spielplatzzauns befindet.
Innerhalb des Zauns erleben sie das Abenteuer ihres Lebens.
Niemand fragt sich, ob diese Kinder Berechtigung haben zu spielen, oder ob es sinnvoll ist, was sie tun, denn das ist gar nicht erst der Maßstab mit dem sie gemessen werden. Dieser Maßstab wird dir erst die Hand gedrückt, wenn du anfängst im Staffellauf des Erwachsenseins mitzurennen.

Auf einer Wippe sitzen sich spielerische Unbeschwertheit und sinnvolle Anstrengung gegenüber.
„WIELANGEWILLSTDUOBENBLEIBENNN??“, schreit die Anstrengung und wiegt mit jeder verstreichenden Sekunde schwerer und schwerer, bis ihre Seite der Wippe am Boden angekommen ist.
Plötzlich habe ich kleine Schuhe an und viel zu kleine Füße, ich schwanke von links nach rechts und laufe wie ein Pinguin. Alles ist so groß und da oben, am anderen Ende der Wippe, sehe ich die leuchtende Unbeschwertheit.
Ohne zu fragen, ob ich sie erreichen kann, weiß ich, dass ich sie erreichen will.
Ich fange an zu klettern, aber meine Arme sind zu schwach und meine Hände zu klein, und ich habe eine dicke, gefütterte Jacke an, in der ich mich kaum bewegen kann und meine Nase läuft.
Außerdem ist die sinnvolle Anstrengung zu dick und ich rutsche ihr, während ich das glatte Holz der Wippe hochklettere, immer wieder in die Arme. Mir ist warm, zu warm, und ich bin so eingeengt, dass ich sauer werde.
Immer mehr Wesen setzen sich an das untere Ende der Wippe hinter, auf, und vor die Anstrengung, wie der übergewichtige Zwölfjährige, der mit fettigen Haaren und ungewaschener Jogginghose, gemein grinsend viel zu groß in jeder Hinsicht ist, um auf dem Spielplatz rumzuhängen. Den Geruch, den er mit sich trägt, kenne ich: Es sind Dinge die erledigt werden müssen, weil sonst eine Schraube aus meinem Lebensgerüst fällt, Aufgaben die sonst niemand übernimmt, Menschen die sonst einsam sind.

Es regnet. Regen macht sauber. Tränen auch, deswegen fühlt man sich immer seltsam befreit, wenn man geweint hat, weil dadurch verkrustete Frustration und Traurigkeit weggespült wird. Aber mein Frustrationskamin lodert, und kein Tränenschwall ist nass genug, ihn zu löschen.
Ich rufe verzweifelt suchend nach Papa, der die fette Anstrengung von der Wippe schubsen soll, denn er ist stark und groß und hat mich lieb, das ist seine Aufgabe, das ist meine Wippe.
Ich rufe suchend nach Irgendjemandem, der etwas anderes wegnimmt, der Aufgaben übernimmt, für die sonst niemand Platz hatte und die deshalb zu mir gekommen sind, ich hab nämlich Angst sie wegzuschubsen, weil meine Hände zu klein sind, und meine Füße auch.
Und überhaupt ist es vielleicht meine Aufgabe, Aufgaben zu haben, wenn niemand Anderes sie tut, oder sie an sich nimmt. Papa zum Beispiel, oder die Anderen.
Wer sagt denn, dass Anstrengung schlecht ist, vielleicht muss es einfach schwer sein und regnen, und man rutscht immer wieder nach unten, weil man jetzt gerade einfach auch mal da hingehört, wo Dinge schwer sind, wo man doch sonst so viel hat – einen ganzen Spielplatz voller Talente und Sachen und den Segensregen noch dazu!

Der Spielplatz ist plötzlich weg, aber die Tränen sind noch da, und außerdem eine Couch und ein Lieblingsmensch, der den Kopf schüttelt und mir sagt, dass er gar kein Bock auf unsere Kirche hat, wenn mein Spielplatz sichtbar wird.
Trotzdem wissen wir beide, dass es irgendwas daran gibt, das sich lohnt. Dass es irgendwann, auch wenn das ‚Irgendwann’ für andere zu spät wäre, einfacher wird. Dass jeder einzelne Versuch und jede Bemühung gesehen und gezählt wird. Wir wissen, dass es ganz vielleicht nicht so schwer sein muss, nur irgendwo ein Fehler im System war, und jetzt sieht das Produkt ganz anders aus, als das, was wir bestellt haben.
Dass es jetzt so aussieht, heißt gar nicht, dass das Produkt so aussehen soll.
Dass ich mich so fühle, als würde das Leben mich zerquetschen, heißt nicht, dass mein Leben eine riesige Metallpresse ist, und ich dazu berufen bin, ein kaputtes Auto zu sein.

Ich bin inzwischen groß, weiß, dass Umstände nicht unveränderlich sind, und ich Einfluss darauf habe, was mich umgibt. Auch wenn ich mich innerlich so fühle, als wäre ich noch drei Jahre alt und hätte kein Balancegefühl.
Manchmal habe ich das auch immer noch nicht und meine Fußspitze bleibt am Bordstein hängen, während ich zum Spielplatz zurücklaufe.

Dort ist ein kleines Mädchen, das mit angestrengt rotem Gesicht versucht die Tränen zurückzuhalten und auf einer Wippe ans obere Ende zu klettern.
Am unteren Ende sitzt die Anstrengung und die Arbeit. Sie haben sich mit Pflichten und Verantwortung vollgefressen, und jede Menge schwere Gewichte, nämlich Dinge, die man eben tun muss, an das untere Ende der Wippe gehängt.
Ich gehe dorthin, und schneide nacheinander Seil für Seil der Gewichte durch, aber nicht alle, sondern gerade so viel, dass die Balance wiederhergestellt ist.
Anstrengung und Unbeschwertheit halten sich jetzt die Waage, Spielerei um des Spielens und der Freude Willen und Aufgaben und Arbeit sind auf Augenhöhe.
Sie schauen einander an, und das kleine Mädchen sitzt verblüfft, noch mit tränennassen Augen auf der Wippe, auf einer schönen Parkbank, und schaut nach links und nach rechts, wo jetzt keine unerreichbaren Höhen mehr sind, sondern Flachland.

Der Regen hat aufgehört, und ich schmecke mit jedem Atemzug das Leben. Manchmal schmeckt es bitter, manchmal sehr süß, manchmal undefinierbar. Aber auf jeden Fall könnte das wahre Leben, das mit der Fülle und dem Weg und der Wahrheit immer nach Ewigkeit schmecken.
Wenn es aber nichtmal nach Hoffnung schmeckt, ist irgendwo ein Fehler im System, denn Hoffnung schließt keine trüben Zeiten aus.

Irgendjemand lacht hell. Ich war schon im Begriff zu gehen, da drehe ich mich um und sehe, wie noch jemand auf die Wippe zurennt und hochklettert, genau in der Mitte. Die Person wird immer größer und ich erkenne sie, wie ich davor erkannt habe, dass ich loslassen und Gewichte abschneiden darf.
Es ist meine gute Freundin, die Dankbarkeit.

Wie ich mir selbst [und dir] im Weg stehe

Ich bin kein Morgenmensch. Wie zähes Gummi ziehen sich die Bewegungen in den ersten Stunden des Tages. Mein Blick ist starr auf die Dinge und durch die Menschen hindurch gerichtet. Am Morgen kommen meine schlimmsten Eigenschaften zum Vorschein und diese zu durchbrechen fällt mir extrem schwer. Ich ziehe mich zurück in meine eigene Innenwelt. Meine Gedanken lösen sich von meinem Körper und laufen mir davon. Ich flüchte mich in ein Buch oder in die Weiten der musikalischen Melancholie. Die Wirklichkeit versucht mich einzuholen aber sie erreicht mich nicht… nicht wirklich.
Sprich mich nicht an, ich will in diesen Momenten unerreichbar sein.
Aber um welchen Preis?

„Würde meine Produktivität nicht erst um 10 Uhr Abends ihren Höhepunkt erreichen könnte ich früher schlafen gehen und morgens auch mal wacher und lebendiger sein.“ – Ein Glaubenssatz, den ich übernehmen oder verwerfen kann.

Ich könnte die Dinge so laufen lassen, sie vor mir hinschieben und hinter mir herziehen. Ich könnte mich durch meine Gewohnheiten definieren lassen, sie zu meinem Charakter machen. Dann wäre ich die Nachteule, die Träumerin, die Introvertierte, die Unnahbare… ich würde mich selbst in Schubladen stecken und diesen wiederrum Stempel aufdrücken, nur um mein Verhalten zu rechtfertigen. Ich könnte mir ein Bild von mir selbst konstruieren, das mir gefällt und mich eventuell von der Masse absetzt.

Aber was ist wenn sich dieses Bild dann plötzlich verselbstständigt?
Und was ist wenn andere Menschen in mein Blickfeld treten?

Mein Ego würde erkennen, dass es nicht alleine existiert – und es wäre verwirrt.
Doch ich sehe genauer hin und ich erkenne, wie wir uns unterscheiden und ich sehe welche Gemeinsamkeiten uns verbinden.
Du bist nicht ich aber du zeigst mir eine vergangene Version meines Denkens.
Ich erkenne Hilflosigkeit, Unsicherheit und Angst davor,
dass das Innere nach außen dringen könnte –
das tut es schon –
wer hinsieht begreift.
Aber es ist gut so,
denn wir sind nicht allein
– wir sind fast ein halbes Dutzend
wenn ich mich aufraffen würde,
mich in deine Richtung bewegen…
Wenn ich mich dafür entscheide
dir Aufmerksamkeit, Liebe und Vergebung zu geben.
Ein tagtägliches Geschenk,
das mir selbst ermöglicht zu leben.

~ Anne

Ich bin ein gebündelter Haufen aus Prokrastination, fehlgerichteter Motivation, Träumerei und Trägheit. ein Sturm aus Gedanken, die der Definition der Gesellschaft nach unzumutbar sind, für die kein nachhaltiges Verhalten denkbar wäre. Und Stimmen in mir richten und verurteilen mich, machen sich lustig über meine unsaubere Ausdrucksweise, die seit jeher doch eigentlich meine erste Sprache sein sollte. Ich bin ein Mischmasch aus zu vielen Kulturen, von der jeder jetzt ein Streifen Stoff des viel zu bunten Gewandes meiner Identität entspricht. Ich bin ein Chaos, ein Papagei, schlimmer als ein schwarzes Schaf; ein Schaf, dass sich in Blumenfeldern aller Art gebadet hat. Auffällig und unzuverlässig, ressourcenvernichtend, rebellierend und ein Exempel für die stereotypischen „Lebe im Moment“ Studenten, die eigentlich nur studieren um des Studieren willens.

Doch meiner Position wird ein Wert zugesprochen, der unvergleichbar gewertet wird mit dem Rest der Welt. Im Geäst meiner Seele gebärt eine Flamme und versorgt mich mit einem Mut, der jede Art von Ketten pulverisiert. Eine Flamme, die mich erkennen lässt, dass Jemand da ist, der mir zeigt, dass ich meine Augen nach oben, in Funkeln des Liebäugelns richten kann. Soll ich mich doch weiterhin
von den Umständen, und vom Feind gedanklich richten lassen – vollends im Wissen, dass aber Er der letzte Richter über allem ist. Inmitten meiner bittersüßen Definitionen meines Selbst, bewies er mir, dass ich mich selbst akzeptieren und lieben lernen kann.

[Rahmenbedingungen / Frameworks]

Letzten Monat war eine Freundin seit langer Zeit wieder zu Besuch und anstatt schon gleich in den regen Austausch von Erlebnissen und Eindrücken zu gehen, beschlossen wir das örtliche Museum zu besuchen. Wärend wir so umherschlenderten fielen uns immer wieder einige unpassende Bilderrahmen auf, die eigentlich die Gemälde angemessen präsentieren sollten. Doch leider waren viele Rahmen in ihrer Form und Farbe absolut unvorteilhaft für die eigentliche Kunst, da sie ihrem Inhalt keineswegs gerecht wurden. In manchen Fällen schien der Rahmen tatsächlich sogar eindrucksvoller als das Gemälde selbst. Und nur in wenigen Fällen ergaben Bild und Rahmen eine wirklich ausstellungswürdige Komposition. Doch an diesen Gemälden blieben wir länger stehen und betrachteten sie um uns an dem schönen Zusammenspiel von Leinwand, Holz und Farbe zu erfreuen.

Seit diesem Tag versuche ich in vielen Situationen (die nicht unbedingt immer etwas mit „Kreativ-Kunst“ zu tun haben) eine gewisse Weitsicht beizubehalten. Ich versuche gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ich finde manchmal sollte man sich wenigstens auf anstehendes Chaos vorbereiten können, das in so vielen Bereichen des Lebens hervortritt. Ich kenne das Gefühl nur zu gut: Alles auf den letzten drücker machen, abgeben, … weil Aufschieben nun mal wirklich verlockend ist. Aber selten hole ich so das beste aus mir raus. Mein Potenzial wird nur angekratzt, weil es nicht die Möglichkeit bekommt sich zu entfalten.

Und das gleiche gilt für die Nachbereitung.
Nachbereitung? Was ist das überhaupt?
Für mich kann das von ganz normalem Nachdenken, über Reflexion, bis hin zu Gesprächen mit anderen Menschen mit Raum für ihre Tipps und Verbesserungsvorschläge gehen. So kann man aus Fehlern lernen (was die allerbeste Gelegenheit zum Lernen und zu spürbaren Verbesserungen bietet!).
Vor allem durch die Hilfe von Freunden oder Bekannten bekommt man die Möglichkeit auch mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Es ist wichtig aus der gegebenen Situation herauszutreten und die Dinge mit einem gewissen Abstand zu betrachten. So fallen einem ganz neue Sachen auf und man beginnt automatisch damit an sich selbst zu arbeiten.

Wachstum vorantreiben, damit man nicht in einer Sackgasse zum Stillstand kommt.

[Und weil ich im Grübeln und Nachdenken schon lange eine Meisterin bin, arbeite ich in Zukunft an meinen vorrausschauenden und -planenden Fähigkeiten. Der Fortschritt ist immer sehr willkommen!]

~ Anne

eye contact

There was a time when I kept staring at the ground because I was afraid someone could see me and talk to me. An unhealthy habit as you start to abase yourself. Also you develop unexplainable hatred towards everyone around you and yourself. But it turned out I couldn’t hide from my creator. And when I began to open up in prayer I also opened up in person whenever I talked to someone. More and more I came to enjoy having conversations – even with complete strangers. My therapist would have been so proud!
Make eye contact with God – his eyes are already resting on you.

“Am I not a God near at hand”—God’s Decree— “and not a God far off? Can anyone hide out in a corner where I can’t see him?” God’s Decree. “Am I not present everywhere, whether seen or unseen?” God’s Decree.
[Jeremiah 23,23-24]