Wo die Geschichte beginnt

„Jeder möge sein eigener Geschichtsschreiber sein, dann wird er sorgfältiger und anspruchsvoller leben.“

-Bertold Brecht-

Der Lockdown durch das Coronavirus war das erste historische Ereignis, das ich wirklich erlebt habe, habe ich gerade gedacht. Ich bin 22 Jahre alt, habe in den Nachrichten viele politische und soziale Krisen mitverfolgt. Aber was habe ich wirklich miterlebt, was hat mich wirklich betroffen?

Ich kann mich noch an die Einführung des Euros erinnern, aber eben nicht an die Mark, als Kindergartenkind ist ein Davor und Danach schwierig zu verstehen. Ich kann mich an die Wahl von Angela Merkel erinnern, aber nicht an die Politik vor ihr. Ich war schon am Leben als das World Trade Center zerstört wurde, aber ich kenne Amerika nur als einen Staat, an dem man stundenlang warten muss, bis man am Flughafen durch die Security darf. Ich kann mich an die Wiederwahl von Obama erinnern und an den Schock als Trump die Wahl gewann. Ich erinnere mich an den Einsturz der Fabrik in Bangladesch und dass ich danach nicht mehr zu H&M wollte und an Edward Snowden. Als ich gerade alt genug war, um zu arbeiten, wurde ein paar Monate später der Mindestlohn eingeführt. Ich erinnere mich daran, wie die ersten Flüchtlingsheime nach Ehrenamtlichen Helfen gesucht haben und die ersten Geschichten, die mir Menschen, die ihn erlebt haben, über den Krieg in Syrien erzählten. Ich erinnere mich nicht mehr daran, welcher der erste Amoklauf war, von dem ich gehört habe, aber ich erinnere mich an die erste Amoklaufübung an meinem Gymnasium. Ich erinnere mich daran, dass Lehrerinnen und Lehrer gesagt heben, dass ein Atomkrieg jeder Zeit ausbrechen kann. Ich erinnere mich an den ersten Protest von Greta Thunberg und die erste Fridays-for-Future Demo in meiner Stadt. Ich erinnere mich an viele Brexit-Diskussionen. Ich erinnere mich an George Floyd.

Meine Lateinlehrerin hat mal einen Satz zu mir gesagt, den ich nie vergessen werde: Ihr seid die erste Generation, die weder Krieg noch politische Einschränkungen erlebt hat. Alles richtig Schlimme ist immer irgendwo anders passiert. Krieg im Osten, Krankheiten in Afrika, Finanzkrisen im Südosten, Amokläufe an anderen Schulen, Naturkatastrophen in exotischen Ländern und den USA. Ich versuchte mir klar zu machen, dass wir nicht im blinden Fleck leben, dass hier auch schreckliche Dinge passieren können und schon passieren. Ob Jugendliche aus Kriegsgebieten auch Panem gelesen haben? Wie muss es sein, wenn man nicht Lesen kann? Als ich dann alt genug war, um meinen Wohnort selbst zu wählen, habe ich doch das sichere Deutschland gewählt. Natürlich, weil meine Familie hier ist, weil meine Wurzeln hier sind. Aber auch ein bisschen, weil meine Freunde aus Hongkong und Ecuador immer so lange um ihr Visum kämpfen müssen und weil man in Mexiko nicht einfach überall abends, als Frau, allein auf die Straße gehen kann.

Ich denke, worauf ich hinaus will ist klar. Ich lebe in einem privilegierten Land, in einer privilegierten Stadt, in einer privilegierten Familie. Ich kann sogar als Frau studieren WAS ICH WILL. Als ich mein Abitur gemacht habe, habe ich gelernt, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, welche neuen Ideen und Kämpfe wir mittragen. Wir sind selbst dafür verantwortlich, worüber wir uns informieren und was wir mal an unsere Freunde, Geschwister und Kinder davon weitergeben. Wir sind immer selbst dafür verantwortlich, wie wir über die denken, die weniger privilegiert sind, dafür was wir über sie und ihre Geschichte wissen und dafür, wie wir anderen Menschen begegnen. Jeder Tag ist eine neue Chance. Jeder Tag enthält die Möglichkeit der absoluten Schönheit.

“Let us not wallow in the valley of despair, I say to you today, my friends.

And so even though we face the difficulties of today and tomorrow, I still have a dream. It is a dream deeply rooted in the American dream.

I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.’”

-Martin Luther King, Jr.-

Als ich den Garten fand

Meine Mutter ist Gärterin und Florsitin, solange ich mich erinnern kann waren unsere Wohnungen von Pflanzen bevölkert. Es gab kleine, hübsche Orchideen, Kakteen, Sukkulenten, große exotische Palmen und Olivenbäume. Wir hatten nur selten heimische Pflanzen bei uns, weil es meiner Mutter besonders die südländischen Gewächse angetan hatten. Fast jedes Wochenende nahm sie uns mit nach draußen, in den Wald, in eine Baumschule oder irgendein anderes Grün. Als ich älter wurde fand ich meine eigenen Vorlieben. Wildblumen hatten meiner Meinung nach den ehrlicheren Charakter. Nelken und Ranunkel wählte ich in meinem Herzen zu den schönsten Schnittblumen.

Mein Opa, ein lustiger, einfacher Mann, hat einen Schrebergarten. Da meine Eltern geschieden sind und mein Vater in einer anderen Stadt wohnt, waren wir immer seltener dort, je älter ich wurde. Mein Opa hat nicht oft über seinen Garten gesprochen. Jeden Sommer gab es dort Familienfeste, von denen ich sehr hoffe, dass sie diesen Sommer wieder möglich sind. Ich erinnere mich am besten an die Pflaumen und Kirchen, die es dort gibt. Und daran, wie groß die Tomaten und Gurken sind, die er anbaut. Erst in den letzten Jahren, nachdem mein Opa einen Schlaganfall hatte, habe ich verstanden, wie viel Zeit und Liebe er in dieses Stück Land steckt. In seinem Alter hätten die Meisten seine gesundheiche Situation viel schelchter verarbeitet. Er ging aber, sobald es ihm, als er aus dem Krankenhaus kam, erlaubt war, wieder in seinen Garten und hielt sich auf Trab. Ab Juni war seine spanische Haut tief gebräunt und sein Garten erblühte in den herrlichsten Farben.

Meine Oma hat den schönsten Zaubergarten, den ich kenne. Als Kinder haben wir uns zwischen den ausladenden Büschen und Blüten versteckt, uns Kronen aus Gänseblümchen gemacht und Elfen gespielt. Sie ist eine romantische Frau, die mich gelehrt hat, die Ästhetik des Gartens und des häuslichen zu lieben.

Tief in meiner Erinnerung ist noch ein anderer Schrebergarten vergraben. Es ist der Garten meines Uropas. Er hieß Wilhelm und hatte einen Garten, zu dem man zu Fuß von seiner Wohnung aus laufen konnte. Er war ein strenger Mann und es war ein strenger Garten, versteckt hinter einem kleinen Waldstück. Am Eindrücklichsten erinnere ich mich an seine Beerensträucher und wie dort Johannisbeeren zu meinen Lieblingsfrüchten wurden. Nur bei ihm gab es die weißen und schwarzen Sorten, die ich vorher nie im Supermarkt gesehen habe.

All diese Erinnerungen habe ich in meinem Herzen aufbewahrt, ohne mir ihrer bewusst zu sein. Als ich letzten Sommer geheiratet habe und mir wirklich vorzustellen begann, was ich mir für meine Familie wünsche, ist mir all das Stück für Stück wieder eingefallen. Als Teenager habe ich lange kein Interesse an Pflanzen gehabt und auch später dachte ich, dass ich kein Talent für das Gärtnern habe. „Du hast einfach keinen grünen Daumen“ habe ich mir gesagt, als die nächste Zimmerpflanze in meiner WG starb. Wir hatten dort nur einen sehr kleinen Balkon, in dem ich es im zweiten Jahr schaffte, einige hübsche Blumen und eine Tomate aufzuziehen. Außerdem eine Gurkenpflanze im Balkonkasten. In der neuen Wohnung mit meinem Mann gibt es viel mehr Platz, einen großen Balkon und sogar einen kleinen Garten für das ganze Haus. Letzten Herbst bin ich dann auf die Unigärten gestoßen. Dort gibt es das Angebot, dass alle Studierenden, die Interesse haben, ein Beet bestellen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Bei mir kam alles zusammen. Ich wollte schon lange einen besseren Weg finden, ökologisch an Gemüse und Obst zu kommen. Im Supermarkt ist die Versuchung für mich immer groß, einfach zu kaufen, was in der Auslage ist. Aber wenn ich es selbst anpflanzen würde …

Den Winter über ist die Begeisterung in mir gewachsen. Ich fand Blogs wie @tidyniceandneat von Franzi, @hauptstadtgarten von Caro oder @krautkopf. Dafür bin ich jetzt besonders dankbar. Bevor ich solche Blogs gelesen und mich wirklich damit befasst habe, dachte ich zum Gärtnern müsste man das bestimmte Talent haben und vor allem einen großen Garten. Aber als ich im Februar die ersten Samen in Aussaatschalen ausgesät habe, hat sich etwas in mir bewegt. Ich mache nicht, dass die Pflanze wächst. Die Pflanze macht das selbst, das ist Leben, dem ich Platz in meinem Wohnzimmer auf der Fensterbank gebe.

Als Anfang März der Shutdown kam und ich wegen der Coronabeschränkungen kaum noch raus durfte, habe ich mich um Setzlinge gekümmert und Stunden damit zugebracht, zu vereinzeln, Erde in kleine Töpfchen zu füllen und neu auszusäen. Die Radieschen sind besonders nett zu mir gewesen. Ich habe sie schon ab März in Bauschuttkisten auf dem Balkon gezogen und ein paar Woche später die ersten geerntet. Wie konnte so etwas Schönes entstehen während auf der Welt so viel schlimmes geschah? Ich glaube an Gott und habe ihm in diesen Wochen besonders viele Fragen über Leben und Tod gestellt.

Als mein erstes Pflänzchen vertrocknet ist, weil es zu lange in der Sonne stand, tat das weh. Aber je öfter das passiert ist und je mehr Pflanzen ich erfolgreich an der Uni in das Beet gesetzt habe, desto stärker wurde meine Überzeugung, dass ich gerade ein Geheimnis entdeckte.

Während der vielen Wochen, die ich vorwiegend Zuhause verbracht habe, war ich natürlich froh über meinen Balkon und den kleinen Garten am Haus, in dem meine Nachbarin Blumen gepflanzt hat. Es war aber vor allem die Arbeit im Freien und mit dem Grün zwischen meinen Fingern, die mir geholfen haben. Ich bin eine eher ruhige Person und brauche immer wieder meine Auszeit vom Trubel der Welt. Darum lese ich viel und schreibe viel, aber gegen die erdrückende Stille, die Corona mit sich brachte, hat das nicht geholfen. In meinem Kopf liefen gerade in den ersten Tagen des Shutdowns alle Rechner auf Hochtouren. Die jungen Karottenpflänzchen dagegen blieben von allem Trubel und jeder Panik ungerührt.

„Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute auf der Wiese grünt, morgen aber schon verbrannt wird, wie konnte er euch dann vergessen?“ (Matthäus 6.30)

Die Pflanzen schenken mir Ruhe und gleichzeitig eine Beschäftigung. Durch sie sehe ich, dass immer alles weitergeht und wir, die Menschen, nicht das endgültige Maß der Dinge sind. Aber das wichtigste ist, wie auch bei Büchern: Pflanzen lieben jeden, der sich um sie kümmert.

Verheiratet Vol. 1

Ein goldener Ring steckt an meiner linken Hand. Er ist das Ebenbild des Bruders den mein Mann trägt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt „mein Mann“ zu sagen. Schwieriger ist es einen neuen Namen zu verinnerlichen. Dieser neue Nachname ist jetzt meiner, den alten lege ich Stück für Stück in die Schublade der Erinnerungen. Jedes Mal wenn ich mich am Telefon melde oder einer Dozentin meinen neuen Namen nenne, komme ich mir vor wie ein kleines Kind das erwachsen spielt. Ich erwarte unwillkürlich, dass gleich jemand aus dem Off springt und ruft: „Was soll das Vero, jeder weiß, dass das nicht dein echter Name ist!“. Dann fängt die andere Person am Telefon an zu kichern und meine Dozentin zwinkert. Wie wenn man Prinzessin oder Detektivin spielt. Dann fällt es schwer, zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Was ist echt und was ist Wunschdenken? Darum bin ich dankbar, für das schimmernde Stück Metall an meinem Finger. Unaufdringlich und unverschnörkelt unterstreicht es meinen neuen Beziehungsstatus. Dann erinnert mich der Ring auch an mein „Ja“ mit Nachruck vor dem Altar in der schönen Kirche gegeben, vor fast allen Menschen, die ich liebe. Sie waren da, sie wissen es. Ich hoffe es bleibt noch ein bisschen so, sich an etwas zu gewöhnen passiert immer, wenn man aufhört darauf zu achten. Irgendwann vergesse ich bestimmt auch, wie meine alte Unterschrift ging und wie sich der andere Name angefühlt hat. Ich denke viel nach und drehe jedes Gefühl am liebsten dreimal um, bis ich auch selbst daran glaube, dass es sich erstmal nicht mehr ändert. An einem Ring drehen erweist sich als ziemlich hilfreich dabei.
Am verheiratet sein mag ich sehr: Das immer Zusammensein und das nicht mehr alleine Aufstehen. Jeder Tag hat die Konstante der Präsenz dieser anderen Person, die ich mehr liebe als alle Anderen. Ich habe mal auf einem Blog von einem frisch verheirateten Mädchen die Aussage gelesen: Verheiratet sein ist wie ein ewiger Sleepover mit deinem besten Freund. Dieses Bild finde ich sehr schön und sehr passend. Es ist eine Übernachtungsparty im Alltag, nicht immer, aber oft und ich versuche einfach nie zu vergessen, dass das mein bester Freund ist, der da neben mir liegt, und nicht nur der andere Teil meiner kleinen Familie und mein Mann.
Beim Nachdenken ist mir auch aufgefallen, wie ausschlaggebend die Entscheidung war, die ich vor drei Jahren getroffen habe. Da lag sehr viel mehr in dieser Entscheidung als nur die Wahl eines etwas abgespaced klingenden Studienfaches und einer Stadt, die klein und unbedeutend auf der Landkarte aussah. Ich weiß noch wie Gott damals geflüstert hat „mach das ruhig, das ist der Weg, den ich dir eröffne“. Ich wusste nicht wohin es geht, was mich erwartet, noch ob ich jemals mit diesem komischen saarländischen Dialekt klar kommen würde. Ich hatte Angst an einen Ort zu gehen, an dem ich stecken bleiben und meine Träume aufgeben würde. Ich hatte Angst meine Selbstständigkeit und meine Abenteuerlust zu ersticken.
Aber vor etwas mehr als einem Monat hab ich dann den Weg in eines der größten Abenteuer überhaupt gewagt, weil ich weiß, dass Gott dabei ist. Es ist nur eins von vielen, die sich durch das Leben in dieser Stadt ergeben haben und ich bin sehr überrascht darüber, dass mein Tatendrang hier kontinuierlich gewachsen ist. Es gibt tatsächlich noch größere Abenteuer als das Leben als Vagabundin und Künstlerin, von dem ich früher geträumt habe. Ich wurde dazu eingeladen mich einfach darauf einzulassen und das mit dem Aufgeben zu vergessen. Das ich es kaum erwarten kann, muss man wohl nicht erwähnen.

WELCOME TO THE OVERLOAD

IMG_3355Nebelschwaden ziehen über einen Fluss umgeben von hohen Nadelbäumen. Das Grün verschwindet im Grau der hereinbrechenden Dunkelheit und der Schrei eines Mädchens zerreißt die Stille. Ein neuer Geist, ein neues Verbrechen sucht die Stadt heim. Eine Stadt in der Kriminellen keine Grenzen gesetzt und Recht und Ordnung frei definierbar sind. Ein Junge in Jeansjacke und Karohemd sitzt alleine mit seinem Laptop an einem Tisch im Diner. Man schenkt ihm Kaffee nach, der für ihn die Nacht zum Tag macht. Zeile für Zeile tippt er die Wahrheit nieder, über das was in den Schatten um ihn herum passiert, unbeachtet von Gesetzeshütern, der Willkür überlassen. In dieser Stadt herrscht der Stärkste und Klügste, derjenige der seine Mitstreiter auf unauffällige Weise auszutricksen vermag.
Von der Straße gegenüber kommt ein Mädchen mit blondem Pferdeschwanz auf das Diner zu geschlendert. Sie scheint unscheinbar und unschuldig, vollkommen zufrieden mit ihrem Mauerblümchendasein. Wie sich unschwer erkennen lässt, bahnt sich in diesem Moment eine Begegnung an, die Geschichte schreiben wird.
Die beiden sind jedoch nicht alleine in diesem Café am Rande der Stadt. In wenigen Minuten wird auch ein Junge mit rotem Haar und Footballjacke durch die Tür eintreten. Sobald er im Diner verschwunden ist, wird ein dunkler Wagen an der Straße daran vorbei fahren. Darin sitzt ein Mädchen mit schwarzen Haar und traurigen Augen. Sie blickt auf das leuchtende neon Schild auf dem in verschlungener Schrift „Pop’s“ steht.
Sie alle sind Teil einer Geschichte, die in diesen Minuten ihren Anfang nimmt. Noch wissen sie nicht, welches Leid und welches Grauen ihnen widerfahren wird. Doch der Vorhang ist auf, die Dinge nehmen ihren Lauf.
Es folgen Teenagerromanzen, Highschool Dramen, Mord- und Detektivgeschichten. Eine Liebe die über drei Staffeln besteht und Hoffnung darauf macht, dass diese Stadt Psychopaten, Sekten, Gangs, Geldsucht und Drogenkriege überleben kann.

Ohrzucker, damit ihr richtig mitfiebern könnt:

Kids in America
Wie sie es alle schaffen bei dem Trubel nebenbei noch für die Schulde zu lernen und Hausaufgaben zu machen? Das ist nebensächlich. Überhaupt ist alles, was alltäglich und normal scheint in Riverdale nur das Rahmenprogramm um Mord und Machtkämpfe zu verschleiern. Einer Anhäufung von Morden folgt, nach den ersten gewonnen Kämpfen, eine Kälte, die die Geschichte nicht mehr loslässt. Ein fader Nachgeschmack bleibt zurück, wenn Betty und Jughead endlich wieder einem Geheimnis auf die Schliche gekommen sind und feststellen müssen, dass schon der nächste kaltblütige Mörder darauf wartet ins Rampenlicht zu treten. Riverdale existiert in einem eigenen Universum, in dem 17 Jährige Casinos besitzen können und Sekten beitreten, ohne das es Erwachsenen Sorgen bereitet. Manchmal glaube ich in Bettys und Jugheads Gesicht das Verlangen zu sehen, aus dieser Welt, die so weit von der Realität entfernt stattfindet, ausbrechen zu können. In ihren Augen schreit etwas danach sich einen Hammer zu greifen, den Bildschirm zu zertrümmern und aus dieser Stadt zu fliehen, in die sie hineingesetzt und zurückgelassen wurden. Ich frage mich oft, was gute Literatur und Kunst ausmacht.

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Es gibt eine Diskussion die sich damit befasst, welche Texte man als Literatur und welche Werke man als Kunst bezeichnen darf. Sind die Begriffe eingeschränkt? Für mich sind es in Riverdale die Bilder der ersten Staffel, das Lebendigwerden von Figuren, die zuvor nur in einem Comic existierten.
Und die Figuren selbst. Jughead, der stille, rebellische Schriftsteller, der der Freiheit und einem besseren Leben nachjagt. Betty, die hübsche, kluge Detektivin, der Gerechtigkeit wichtiger ist, als das was die Menschen über sie denken. Archie, der gut aussehende Sportler, der erst zum Künstler und dann zum Vagabund wird, mit einem Herz voller Treue und Hoffnung auf ein besseres Morgen. Veronica, die für Freundschaft und Liebe alles aufs Spiel setzt und lernen muss, dass man trotz allem nicht aus seiner Haut kann. Dann gibt es noch Cheryl, Josie, Sweetpea, Toni, FP und Kevin. Sie alle strahlen in einer Welt die erst zu dunkel und dann zu verrückt und skurril ist um ihnen das zu bieten, was sie eigentlich haben sollten.
Ich bin begeistert von dem Versuch platten Figuren, wie dem Sportler, dem Rebell und dem netten Mädchen von nebenan neues Leben einzuhauchen und ihnen eine Tiefe zu verleihen, die über das hinaus geht, was man auf den ersten Blick ausmachen kann. Riverdale hat das nicht wirklich geschafft, die Geschichte wurde wichtiger als die Figur. Das Publikum zu schocken und zu empören wurde wichtiger als die Figur.
Die Charaktere sind das, was eine Geschichte einzigartig macht. Kein Plot ist neu. Betty Cooper und Jughead Jones aus Riverdale hat es so aber noch nie gegeben. Das hier schreibe ich, um ihren Status als Unikat und als besondere Figuren festzuhalten. Die Charaktere in Riverdale verdienen Besseres als den Rahmen der ihnen geschliffen wurde. Ist es nicht das, wozu es fanfiction wirklich gibt? Manchmal eine Liebeserklärung an Autor und Figur. Aber meistens doch eher der Versuch den Charakteren mehr zu geben, als das Universum in dem sie entstanden sind.

„this series is so overload and bitchy that you get sucked into it for five episodes before you realize how overload and bitchy it is that you stop watching. forever“

~ joes review zu veros review

Pineapple-socks

07cfe685-2df5-45bb-8a28-a194a8b9d58bThere was a man in the wood this winter. He chose to live there because he did not like the city anymore. He hated the noise, the smell, the view. This man thought that a tree could give him comfort and that the earth could heal his brokenness.
The name of the man was Juniper and he had worked in an office for a company that sold socks. He wore socks with dots and stripes and little pineapples on them. His favorite pair were blue and had a pattern of fir trees. Juniper wore this pair of socks when he put on his backpack and closed the door of his flat. Today was the day he was finally going to do it. His first steps felt weird, as if he was on a walk to a dream world. Every meter he got further straitened his figure and he did not look back.

He did not look at the children playing on the street and their mother who sliced an apple for them. He did not look at the men in suits that stood in front of the kebab store at their usual table, trying to eat without making their costume dirty.

Neither did he see the ginger-furred cat that followed him for more than twenty minutes.

Juniper was on his way to a new world and nothing could take his attention from the path that led him there.

Juniper saw a women with short blond hair and a bag of groceries in her hand. She had a very little nose and bright eyes. When he saw her, he stopped for a second. He did not stop walking, but he stopped concentrating on his path and followed her with his eyes. This women reminded him of his girlfriend Sally who broke up with him five months and 23 days ago. She broke up with him because he did not understand what feminism had to do with unisexual toilets and because he did not want to get children within the next year. Maybe she did not even love him.

He turned his head back on his path and nearly ran into a group of retired tourists that cried out, in their very British accent, how rude and awful these Americans are. Juniper did not worry too much about them, he was 80 percent Canadian.

The man with the backpack on his shoulders reached the subway station and dived into the open mouth of the tunnel. Down into the dark he went, or so he thought, he dreamed. Really the tunnels were very light thanks to the neon lights on the ceiling. He walked down the long stairs and through the tunnel. When he reached his station there was a homeless man. This man had a glimmer of the color of the night sky in his eyes and he looked straight at Juniper. The man did not seem to be drunk or paralyzed by other drugs. His look was sober and he had a little smile on his lips. Juniper stopped and looked back at him. „What do you believe in?“ asked the man. Now that he stood closer, Juniper saw the freckles around the night sky eyes. They built a mountain range with his wrinkles. „I think I believe in Freedom, Love and also in God, maybe.“ said Juniper who was not sure about his believes yet. „If you believe in Freedom, why do you think you will find it in the woods? Do you think it hides from the people?“ asked the old men and laughed suddenly, very loud and it made Juniper feel uncomfortable. He did not like these questions.

There were too many questions in the world. What is the meaning of life? Can true, lasting happiness be found? Can people have their own mind or are all our thoughts the product of mass media manipulation?

Juniper didn’t know the answer. He had so many thoughts in his mind and there weight was so heavy, he carried them everyday. This was one, maybe the main, reason for him to go into the woods. He needed to know if his longing for nature and silence could be fulfilled. „I hope to find peace of mind in the woods.” he answered the old man. The homeless smiled about that. It was a warm smile.

Eiswürfel

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Das Eis schmilzt in der durchsichtigen Flüssigkeit. Sein Pullover riecht nach ihm und ich will darin versinken. Wie in einem Bett in das man sich nach einem zu langen Arbeitstag fallen lässt, zwischen die riesigen Kissen und direkt unter die Decke. Bald sind nur noch wenige Eiswürfel übrig.
Das Mädchen wirft die Hände in die Luft und ruft es laut heraus: „Heute sind wir jung und am leben und das soll ruhig jeder wissen“. Denn zu leben ist das einzige Vergehen, dass man sich fast leisten kann. Das Entschuldbarste von allen. Wer ist schon zurechnungsfähig im Eifer des Gefechts wenn so viel auf dem Spiel steht.
Manchmal will man auch nur ein Mädchen sein. Man will das Mädchen sein, dass alle anstarren wenn es den Raum betritt. An dem jeder Blick hinunter und hinauf fährt, wegen dem man fast unwillkürlich pfeift, warum, das ist die andere Frage. Manchmal möchte man einfach nur sehr schön anzusehen sein. Und eine Zierde für seinen Verstand bilden. Und manchmal auch eine Zierde für seinen Freund.
Ich bekenne das, schließlich ist es besser es zu sagen als so zu tun als wäre ich als Feministin kein Mädchen. Als wollte mein Frauenkörper nicht die Anerkennung seines Männerkörpers. Aber vor allem sehnt sich meine Gedankenwelt nach seinem betäubenden Geruch. Diese Mischung aus Liebe, Zuhause, Familie und „mit mir wirst du Abenteuer erleben“ ist was mich immer wieder groß träumen lässt.
Lass uns groß träumen.

 

STIMME DER UNENDLICHKEIT

Wir alle haben doch diese check-liste in unserem kopf auf der wir festhalten was wir noch in unserem Leben machen wollen. Aber was wenn wir nichts mehr davon machen könnten? Wäre uns das trotzdem genug? Wenn man so am Meer steht und den Rand seiner Welt sehen kann wird die Stimme der Unendlichkeit zu einem tosenden Sturm der unüberhörbar nach einem ruft. #christoteama #santander

Nuestra Esperanza

Das ist aus vielen Gründen einer meiner liebsten Verse, vorallem aber weil er immer wieder auftaucht. Que seas fuerte y valoroso! Auf spanisch bleibt es dieselbe Nachricht: Seid tapfer und habt keine Angst denn Gott ist bei euch, zu jeder Zeit und an jedem Ort!
Das ist eine der Erfahrungen, die ich am Reisen liebe. Die Menschen, die Kultur, die Sprache, das Essen – wenn man weit genug geht scheint sich alles zu ändern. Doch Einer bleibt beständig wie sonst Nichts, der der alles erfunden hat, jedes Lächeln und jede Träne von mir zählt und die Welle schon kennt bevor der Wind aufkommt.
Gott war, ist und bleibt derselbe.
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Von oben

Wenn man ganz oben auf dem Berg steht kann man sie riechen, die Freiheit. Was hinter dir liegt wissen nur noch deine Füße, aber hier und jetzt sind deine Lungen voll von Einzigartigkeit. Eine der besten Erfahrungen an seeeeehr langen Wanderungen: Das Ende.
Süß, leicht und man fühlt sich als könnte man alles schaffen (bis man sich hinsetzt, dann schläft man direkt ein). Manchmal finde ich ist leben so ähnlich, ich hoffe das Ende eines Tages auch.
Cheers to the smile of the arriving.

Seiten

Jeder von uns träumt so unterschiedlich. Der Eine bekommt eine Gänsehaut beim Anpfiff, den Anderen begeistert nichts mehr als den Bass in den Knochen zu spüren. Sie legt Charakter und Kreativität in das Outfit, das sie wählt und ihre Schwester verliert alle Sorgen wenn sie die digitale Welt erobert. Ich fühle mich wohl wenn alte und neue Papierseiten durch meine Finger wandern. Manchmal sehe ich die Anderen und sehe nur das was ich nicht mit ihnen teile. Aber wenn ich die Augen richtig auf mache erkenne ich, dass wir alle als eine Familie gemacht sind. Eine Familie mit einem Vater und einer Leidenschaft die wir alle in uns tragen. Liebe.