Verheiratet Vol. 1

Ein goldener Ring steckt an meiner linken Hand. Er ist das Ebenbild des Bruders den mein Mann trägt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt „mein Mann“ zu sagen. Schwieriger ist es einen neuen Namen zu verinnerlichen. Dieser neue Nachname ist jetzt meiner, den alten lege ich Stück für Stück in die Schublade der Erinnerungen. Jedes Mal wenn ich mich am Telefon melde oder einer Dozentin meinen neuen Namen nenne, komme ich mir vor wie ein kleines Kind das erwachsen spielt. Ich erwarte unwillkürlich, dass gleich jemand aus dem Off springt und ruft: „Was soll das Vero, jeder weiß, dass das nicht dein echter Name ist!“. Dann fängt die andere Person am Telefon an zu kichern und meine Dozentin zwinkert. Wie wenn man Prinzessin oder Detektivin spielt. Dann fällt es schwer, zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Was ist echt und was ist Wunschdenken? Darum bin ich dankbar, für das schimmernde Stück Metall an meinem Finger. Unaufdringlich und unverschnörkelt unterstreicht es meinen neuen Beziehungsstatus. Dann erinnert mich der Ring auch an mein „Ja“ mit Nachruck vor dem Altar in der schönen Kirche gegeben, vor fast allen Menschen, die ich liebe. Sie waren da, sie wissen es. Ich hoffe es bleibt noch ein bisschen so, sich an etwas zu gewöhnen passiert immer, wenn man aufhört darauf zu achten. Irgendwann vergesse ich bestimmt auch, wie meine alte Unterschrift ging und wie sich der andere Name angefühlt hat. Ich denke viel nach und drehe jedes Gefühl am liebsten dreimal um, bis ich auch selbst daran glaube, dass es sich erstmal nicht mehr ändert. An einem Ring drehen erweist sich als ziemlich hilfreich dabei.
Am verheiratet sein mag ich sehr: Das immer Zusammensein und das nicht mehr alleine Aufstehen. Jeder Tag hat die Konstante der Präsenz dieser anderen Person, die ich mehr liebe als alle Anderen. Ich habe mal auf einem Blog von einem frisch verheirateten Mädchen die Aussage gelesen: Verheiratet sein ist wie ein ewiger Sleepover mit deinem besten Freund. Dieses Bild finde ich sehr schön und sehr passend. Es ist eine Übernachtungsparty im Alltag, nicht immer, aber oft und ich versuche einfach nie zu vergessen, dass das mein bester Freund ist, der da neben mir liegt, und nicht nur der andere Teil meiner kleinen Familie und mein Mann.
Beim Nachdenken ist mir auch aufgefallen, wie ausschlaggebend die Entscheidung war, die ich vor drei Jahren getroffen habe. Da lag sehr viel mehr in dieser Entscheidung als nur die Wahl eines etwas abgespaced klingenden Studienfaches und einer Stadt, die klein und unbedeutend auf der Landkarte aussah. Ich weiß noch wie Gott damals geflüstert hat „mach das ruhig, das ist der Weg, den ich dir eröffne“. Ich wusste nicht wohin es geht, was mich erwartet, noch ob ich jemals mit diesem komischen saarländischen Dialekt klar kommen würde. Ich hatte Angst an einen Ort zu gehen, an dem ich stecken bleiben und meine Träume aufgeben würde. Ich hatte Angst meine Selbstständigkeit und meine Abenteuerlust zu ersticken.
Aber vor etwas mehr als einem Monat hab ich dann den Weg in eines der größten Abenteuer überhaupt gewagt, weil ich weiß, dass Gott dabei ist. Es ist nur eins von vielen, die sich durch das Leben in dieser Stadt ergeben haben und ich bin sehr überrascht darüber, dass mein Tatendrang hier kontinuierlich gewachsen ist. Es gibt tatsächlich noch größere Abenteuer als das Leben als Vagabundin und Künstlerin, von dem ich früher geträumt habe. Ich wurde dazu eingeladen mich einfach darauf einzulassen und das mit dem Aufgeben zu vergessen. Das ich es kaum erwarten kann, muss man wohl nicht erwähnen.

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