Spiegelungensaga

Man kann kaum durch die Welt gehen, ohne dass man gespiegelt wird. Mein Gesicht und mein Körper im silbernen Glas, meine Bewegungen in Schaufensterscheiben, mein Verhalten durch das der Menschen, die um mich herum sind.

Es ist unmöglich mich nicht selbst zu sehen, neben den Anderen. Ein Spiegelbild, so neutral und doch so unglaublich machtvoll. Alles zeigend: Was ich sein will, und was ich nicht sein will, aber trotzdem bin. Neben mir: Wer oder was ich gerne sein würde.

Wir leben in einer Spiegelgesellschaft, immer auf der Suche nach dem schöneren Spiegelbild, weil das, was wir sehen, immer wieder viel zu viel Konkurrenz hat. Als ob die Konkurrenz weniger werden würde. Je mehr Raum ich ihr gebe, desto mehr Fläche nimmt sie ein. Und irgendwann werde ich blind, geblendet, von dem, was ich vielleicht sehen könnte, wenn ich eine bessere Version meiner selbst wäre. Ich versuche mehr und härter, will hoch hinaus, bis ich auf der spiegelglatten Oberfläche ausrutsche.  Die Scheibe splittert, und bohrt sich in meinen Rücken, dort, wo ich mir keinen Schutzpanzer zugelegt habe. Dort, wo ich selten hinsehe. 

Vielleicht suchst du verzweifelt nach der Zufriedenheit in deinen Spiegelungen. Betrachtest jedes winzige Detail mit der Lupe. Und findest nur Sehnsucht danach, zu genügen.

Spiegel ab und an zu gebrauchen ist weise. Wenn die Spiegel aber dich gebrauchen, wirst du zum gehetzten Objekt im eigenen Spiegelkabinett. Herumirrend, gleichzeitig auf der Flucht vor dir selbst, aber trotzdem bist du alles, was du als Ziel vor Augen haben könntest.

Ich glaube, das wahre Ziel ist hinter dem Spiegel. Nur wenn wir unseren Blick von uns selbst nehmen, und ihn auf das richten was vor uns liegt, was jetzt gerade um uns herum liegt und auf das, was über uns liegt, finden wir mehr Ruhe.

 

Denn ich weiß,

groß wie das Firmament

ist da die Hand des Gottes,

der mich durch und durch kennt

der Schönheit vollkommen neu benennt,

und all meinen Minderwert und meine Schuld

mit seiner Liebe verbrennt.

 

so grab a stone my friend

for the power of the mirrors shall end.

 

Jazz

 

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