pinky promise

Für C

Eifersucht is ne Bitch.

Sie saugt sich unbeobachtet fest wie schmutziges Pfützen Wasser im Rockzipfel, und kriecht verräterisch wie eine Schlange am Körper hoch, bis sie das Herz heiß zusammendrückt und die Gedanken kalt vernebelt. Eifersucht ist wie ein wildes Tier, das sich spitz in deinen Nacken krallt, doch als du es abschütteln willst merkst du, dass es gar nicht auf dir drauf, sondern in dir drinsitzt, eingesperrt durch deine Körperwände. Ein Parasit, der sich von dem ernährt, was du selbst an dir magst, das was du kannst, das, was du denkst, dass du wert bist. Der bittere Atem, der aus seinem Mund kommt, ist ein beklemmendes, stummes Gefühl, das lähmend und vernichtend das flüstert wovor alle immer Angst haben: „Du bist nicht genug. Du kommst zu kurz. Du bedeutest nicht so viel wie sie.“

Ich hasse Eifersucht, weil sie lodernd und ohne Gnade alles Gute in einer lebendigen Gedankenwelt verbrennt, und nur noch einen zugeschnürten Sack kalter grauer Asche hinterlässt. Kein Wunder, dass Menschen um sich schlagen. Kein Wunder, dass ich um mich schlage. Kein Wunder, dass alles grau wird.

Wenn du an einen neuen Ort ziehst, dann weißt du vorher noch nicht, dass du dort vielleicht eine Kombination aus den dir irgendwann liebsten Menschen der Welt finden wirst. Und wenn du dann mal da bist, dann kannst du es vielleicht immer wieder gar nicht fassen, dass ausgerechnet du das erleben darfst, diese Gruppe aus Leuten, die ungefragt bei dir an der Tür klingelt, die jeden Sonnenstrahl mit dir einfängt und dir erhält und die jeden Ort mit dir erkundet, ganz ohne Plan, sondern einfach weil man sich ins Auto gesetzt hat und mit lauter Musik und quietschenden Reifen losgefahren ist.

Was wir Menschen so oft vergessen ist, dass nicht nur die Sonnenstrahlen, sondern auch die Regenwolken eingefangen werden müssen. Spätestens, wenn sich die seichten Schwaden eines dummen Gedankens, eines winzig piksenden Stachels der Verletzung zu Haufen des Unausgesprochenen über uns zusammenballen, ist es Zeit, ihnen das Gewicht und die Dunkelheit zu nehmen.

Lass uns mal reden. Viele Tränen müssten nicht regnen, wenn wir mehr reden würden, und viele Pfützen würden sich nicht in unserem Rockzipfel festsaugen, wenn wir mehr aussprechen würden, was uns belastet. Denn durch die dunkeln Wolken über uns seh ich nicht so gut, ich seh nicht richtig wer du bist, und das dunkle verzerrte Bild, das ich von dir habe bleibt, während ich versuche immer mehr Abstand zwischen dich und mich zu bringen, weil ich auf einmal Angst habe, dass du mich bestiehlst, mir meinen Wert klaust, das was mir heilig ist nimmst, und damit abhaust, und voller Bitterkeit schaue ich zu dir rüber, kann nicht weggehn, am liebsten will ich wegsehn, doch der faulige Atem des Tieres in mir fixiert meinen sengenden Blick und zwingt mich, mich zu dir zu drehn.

Ich will weniger Eifersuchtsgewitter in meinem Leben, in meiner Stadt, in dieser Welt. Ich wünsche mir so sehr, dass wir die Wolken zwingen sich zu entladen, bevor die Blitze aus unseren Augen zucken, und dann ist es okay, dass es auch mal dunkel wird über unserer Freundschaft. Wir kennen uns ja inzwischen auch schon etwas länger und es ist inzwischen viel passiert und einiges haben wir auch kaputt gemacht, weil wir uns mit der Zeit zusammen bewegen und als menschliche unperfekte Wesen aufeinander drauftreten.

Lass uns bitte nur nie aufhören darüber zu reden, denn jedes ungesagte Wort ist ein Stück Strecke, das ich weiter von dir weggeh. Aber wenn wir ganz nah zusammenstehen, dann seh ich immer noch die Sommersprossen in deinem Gesicht und das Mohnkorn, das noch vom Frühstück zwischen deinen Zähnen hängt, und dann bist du nichts Schlimmeres, als eine Freundin, die sehr gesegnet ist, und ich auch, denn ich darf ja neben dir stehen.

Kleiner Fingerschwur: Lass uns weniger eifersüchtig sein und mehr zusammenhalten.

Dieser Weg

IMG_3886Versinke in Meeren aus Buchstaben und such nach einem, an den ich mich klammern kann. Jedes Wort bringt mich dorthin zurück wo alles begann, weil es in genau in jener Zeit entsprang, in der die Tagesmelodie von hier aus betrachtet noch leichter und unbeschwerter klang.

Was ich im hier und jetzt habe ist unglaublich viel, aber ein bisschen fehlt mir das mich begeisternde Ziel. Wohin soll ich gehen, in welchem Winkel der nächste Schritt, was ist die nächste Vorstellung vom Leben die mein Fuß der Vernunft folgend zertritt, wen von allen nehm ich auf meinem weiteren Lebensweg mit?

Ich werde niemals auch nur irgendwohin laufen können, ohne mich gleichzeitig näher zum Einen und weiter vom Anderen wegzubewegen, und manchmal ist der Ort, an dem ich mich dann wieder finde wie trockener Regen, vollkommen absurd, unpassend und rein gar nicht wie in meiner naiven Erwartung ausgemalt und verlegen versuch ich, es hier ein bisschen wie gewollt aussehen zu lassen, mich unauffällig an einen passenden Platz im verstreichenden Moment zu bewegen, stoße aber immer irgendwo dagegen.

Manchmal gibt es diese Lebensmomente, da passt einfach alles, wie zwei unterschiedliche Takte, die für einen Wimpernschlag im selben Rhythmus schlagen, aber im nächsten wieder aneinander vorbei. Irgendetwas eckt immer an, auch wenn es nur die Gewissheit ist, dass man diesen einen perfektionsgeladenen rhythmischen Wimpernschlag nicht festhalten kann. 

Mein „Für immer“ ist nicht hier auf dieser Erde, nicht hier in diesem Leben, nicht hier in diesem Moment. Was bleibt mir anderes übrig, als die verkrampften Fäuste zu öffnen und ziehen zu lassen, was sowieso niemals dafür gemacht worden ist, für immer zu bleiben?

 

Surely your goodness and love will follow me all the days of my life, and I will dwell in the house of the LORD forever.

das Mädchen vor mir

Es scheint die beliebteste Frage

vieler kleiner Mädchen zu sein.

Die noch in glitzernden Blasen von Pferden und Schlössern träumen, Kleidchen tragen und auf Prinzen warten. Warten…

Auf all diese Dinge, die ich niemals gegen meinen Abenteuerwald hätte tauschen wollen.

Es scheint ihre beliebteste Frage zu sein.

Sie stellt sie mit einem breiten, schelmischen Grinsen.

Oder einem verlegenen Kichern.

Um sich dann entweder

mit hüpfenden Schritten best möglichst zu verstecken.

Oder mit verschwörerischen Blicken

den potenziellen Partner zu erspähen.

Neugierig, mit aufgerissenen Augen

bleibt sie vor mir stehen.

Dann stemmt sie ihre dünnen Ärmchen in die Seiten,

Hebt ihr Köpfchen zu mir hoch, so dass ihre langen Zöpfe und zerzausten Strähnchen in ihren Nacken fallen.

Um nun,

jede Regung aufzunehmen,

zu analysieren und zu bewerten.

„Bist du verlieeebt??!“

In den meisten solcher Situationen der letzten Jahre habe ich ebenso schmunzelnd den Kopf geschüttelt, verneint oder mich lachend gefragt was ausgerechnet wir Mädchen immer wieder so spannend an dieser Frage finden.

Und jetzt in diesem Moment stelle ich mir selbst mit verschwörerichem Blick diese Frage.

Zumindest in sofern ich mir selbst Blicke zuwerfen kann…

In diesem Moment

Während ich durch die nächtlichen Straßen schlendere,

die Abendluft sich wie eine Decke um meine Schultern schlingt und das Licht der Schaufenster viel intensiver, als vier Stunden zu vor, auf die Steine zu sinken scheint.

~Denn mein Herz tanzt~

Nicht ganz passend zu dem Blues der durch Kopfhörer an mein Trommelfell schwappt.

Viel mehr zu der Nacht und dem leichten Wind.

Zu der Ruhe und der Zeit die ich mir nehme,

All die wunderschönen Menschen zu beachten, die mir Arm in Arm entgegen kommen,

Am Brunnen sitzen, auf einander warten, sich beeilen.

Nicht immer, aber gerade jetzt hab ich Zeit.

Nicht immer, aber gerade jetzt renne ich nicht zum Zug.

Einfach nur weil ich mich dazu entschieden habe.

Um diese vermeintliche Ruhe zu beachten, die diese Nacht mit mir teilt.

Hier bin ich.

~Verliebt in das Gefühl zu leben~

Oder in die Tatsache dessen…

In diesen einen tiefen Atemzug.

Und in die wage erkennbare Masse, gleichmäßig dahinplätschernder Diversitäten.

Spiegelungensaga

Man kann kaum durch die Welt gehen, ohne dass man gespiegelt wird. Mein Gesicht und mein Körper im silbernen Glas, meine Bewegungen in Schaufensterscheiben, mein Verhalten durch das der Menschen, die um mich herum sind.

Es ist unmöglich mich nicht selbst zu sehen, neben den Anderen. Ein Spiegelbild, so neutral und doch so unglaublich machtvoll. Alles zeigend: Was ich sein will, und was ich nicht sein will, aber trotzdem bin. Neben mir: Wer oder was ich gerne sein würde.

Wir leben in einer Spiegelgesellschaft, immer auf der Suche nach dem schöneren Spiegelbild, weil das, was wir sehen, immer wieder viel zu viel Konkurrenz hat. Als ob die Konkurrenz weniger werden würde. Je mehr Raum ich ihr gebe, desto mehr Fläche nimmt sie ein. Und irgendwann werde ich blind, geblendet, von dem, was ich vielleicht sehen könnte, wenn ich eine bessere Version meiner selbst wäre. Ich versuche mehr und härter, will hoch hinaus, bis ich auf der spiegelglatten Oberfläche ausrutsche.  Die Scheibe splittert, und bohrt sich in meinen Rücken, dort, wo ich mir keinen Schutzpanzer zugelegt habe. Dort, wo ich selten hinsehe. 

Vielleicht suchst du verzweifelt nach der Zufriedenheit in deinen Spiegelungen. Betrachtest jedes winzige Detail mit der Lupe. Und findest nur Sehnsucht danach, zu genügen.

Spiegel ab und an zu gebrauchen ist weise. Wenn die Spiegel aber dich gebrauchen, wirst du zum gehetzten Objekt im eigenen Spiegelkabinett. Herumirrend, gleichzeitig auf der Flucht vor dir selbst, aber trotzdem bist du alles, was du als Ziel vor Augen haben könntest.

Ich glaube, das wahre Ziel ist hinter dem Spiegel. Nur wenn wir unseren Blick von uns selbst nehmen, und ihn auf das richten was vor uns liegt, was jetzt gerade um uns herum liegt und auf das, was über uns liegt, finden wir mehr Ruhe.

 

Denn ich weiß,

groß wie das Firmament

ist da die Hand des Gottes,

der mich durch und durch kennt

der Schönheit vollkommen neu benennt,

und all meinen Minderwert und meine Schuld

mit seiner Liebe verbrennt.

 

so grab a stone my friend

for the power of the mirrors shall end.

 

Jazz

 

The rhythm within

If I had my own rhythm,
Where would I find it?

I danced the occasional blues
But soon I needed to losen those roots
still grounding me.
Their hold was too tight.
Now I’m retrieving those treasures
I once burried below –
And it’s so painfully liberating.

A chain reaction has begun
Starting with a spark of hope
It ignites a flame
And soon my body catches fire –
I’m ready to be part of the elements

Like rain –
Come tear drops
The flow comes naturally with the tide
My breathing is steady for the first time

My feet are suddenly light –
Revelling with the ambiance
Not attached but still knowing
How to find their way back to the ground

There’s this mutual reaction
Between the air and my hips
My lips form a smile
(Like) it’s the logical consequence
I can not and needn’t control it
It comes from much deeper within.

Soaked in silence
I’m drooping my limbs.
Should I keep my eyes closed?
Should I face myself now? –

Everything’s warm,
Still smoking hot from the fire.
Now I can decide if I tolerate
To get dazzled by its glow
Or if I choose to open up to the light…

– „I think I found my rythm“,
Is all that comes to my mind
Releasing one last tear
I open my eyes

What I see then
makes me fall down on my knees:

A thousand candles blowing in the wind –
A forrest of burning torches –
A sea of light –
Until all is fire
And noone remembers the face of darkness anymore.

.

 

Usually I’m not a fan of explaining my poetry but today I’ll make an exception.

I will only use a few words:

This peom is not about dancing. Dancing is only a medium, a tool.
It’s about finding your rhythm – metaphorically speaking – finding the true meaning of life.
It’s about those questions every human being will pose at some point of his or her life.
It’s about facing your own past, living in the present and gathering hope for the future.
It’s about finding happiness and peace right where you stand.
It’s about healing and it’s about freedom.

If you read this I hope and pray you will find the strength and courage to go and look for your rhythm. Be brave and take the first step towards the essence of life.

I don’t believe in coincidence I believe in truth and that we can find it within ourselves and that it makes us free.
To cut a long story short:
I believe there’s a God who provides all of that and even more.

~ Anne

Pineapple-socks

07cfe685-2df5-45bb-8a28-a194a8b9d58bThere was a man in the wood this winter. He chose to live there because he did not like the city anymore. He hated the noise, the smell, the view. This man thought that a tree could give him comfort and that the earth could heal his brokenness.
The name of the man was Juniper and he had worked in an office for a company that sold socks. He wore socks with dots and stripes and little pineapples on them. His favorite pair were blue and had a pattern of fir trees. Juniper wore this pair of socks when he put on his backpack and closed the door of his flat. Today was the day he was finally going to do it. His first steps felt weird, as if he was on a walk to a dream world. Every meter he got further straitened his figure and he did not look back.

He did not look at the children playing on the street and their mother who sliced an apple for them. He did not look at the men in suits that stood in front of the kebab store at their usual table, trying to eat without making their costume dirty.

Neither did he see the ginger-furred cat that followed him for more than twenty minutes.

Juniper was on his way to a new world and nothing could take his attention from the path that led him there.

Juniper saw a women with short blond hair and a bag of groceries in her hand. She had a very little nose and bright eyes. When he saw her, he stopped for a second. He did not stop walking, but he stopped concentrating on his path and followed her with his eyes. This women reminded him of his girlfriend Sally who broke up with him five months and 23 days ago. She broke up with him because he did not understand what feminism had to do with unisexual toilets and because he did not want to get children within the next year. Maybe she did not even love him.

He turned his head back on his path and nearly ran into a group of retired tourists that cried out, in their very British accent, how rude and awful these Americans are. Juniper did not worry too much about them, he was 80 percent Canadian.

The man with the backpack on his shoulders reached the subway station and dived into the open mouth of the tunnel. Down into the dark he went, or so he thought, he dreamed. Really the tunnels were very light thanks to the neon lights on the ceiling. He walked down the long stairs and through the tunnel. When he reached his station there was a homeless man. This man had a glimmer of the color of the night sky in his eyes and he looked straight at Juniper. The man did not seem to be drunk or paralyzed by other drugs. His look was sober and he had a little smile on his lips. Juniper stopped and looked back at him. „What do you believe in?“ asked the man. Now that he stood closer, Juniper saw the freckles around the night sky eyes. They built a mountain range with his wrinkles. „I think I believe in Freedom, Love and also in God, maybe.“ said Juniper who was not sure about his believes yet. „If you believe in Freedom, why do you think you will find it in the woods? Do you think it hides from the people?“ asked the old men and laughed suddenly, very loud and it made Juniper feel uncomfortable. He did not like these questions.

There were too many questions in the world. What is the meaning of life? Can true, lasting happiness be found? Can people have their own mind or are all our thoughts the product of mass media manipulation?

Juniper didn’t know the answer. He had so many thoughts in his mind and there weight was so heavy, he carried them everyday. This was one, maybe the main, reason for him to go into the woods. He needed to know if his longing for nature and silence could be fulfilled. „I hope to find peace of mind in the woods.” he answered the old man. The homeless smiled about that. It was a warm smile.

WEIHNACHSTSEIFENBLASEN




Auf der ganzen Welt,
da leuchten Kerzen
Und ich wünsche voller Zuversicht?
Zu Weihnachten von ganzem Herzen
Dir ein ganzes Jahr voll so viel Licht



Überall erklingen Lieder
Das ist zur Weihnachtszeit das Schöne?
Ich wünsche dir an jedem Tage wieder
Nur solch sanfte, zarte Töne



Streit verklingt, es wird erträglich,
Voll Frieden ist die Weihnachtszeit?
Ich wünsch? Dir zum Weihnachtsfest tagtäglich
Glück, Ruhe und Besinnlichkeit



Ich weiß ja nicht, wies dir so geht:
Aber meiner Meinung nach, lebt, wer auch immer das geschrieben hat,
der Autor, die Autorin oder sonst wer, in einer riesen großen,
überdimensionalen Seifenblase.
Und ja, ich weiß:
Seifenblasen sind mehr so das Sommer- / Hochzeitsding
Und es ist ja Weihnachtszeit.
Also wie, bitte passt das zusammen?



Aber ich könnte genau so fragen, wie Zuversicht, und sanfte, zarte Töne,
Friede, Glück, Ruhe oder gar Besinnlichkeit zur Weihnachtszeit passen.



Ja aber genau darum geht es doch an Weihnachten, sagst du. Jedenfalls sollte es.
tatsächlich? – die Realität ist eine ganz andere



Man läuft über den Weihnachtsmarkt oder schaltet dummer weise ausversehen das Radio ein.
Es dröhnt nicht Christmas Classic, sondern Christmas Rock aus den Boxen und Taylor Swift ist so bescheuert ihr Herz seit 2007 jedes Jahr wieder irgendeinem Typen zu schenken (im schlimmsten Fall ist es auch noch immer derselbe), ders am nächsten Tag einfach weitergibt. Und ja ich weiß, dass der Song eigentlich Wham ist, das macht ihn aber nicht besser. Aber sie verspricht singend, dass es dieses Jahr anderes sein wird. Tatsächlich hab ich aber die Hoffnung aufgegeben, diesen furchtbaren Song nicht im kommenden Jahr doch wieder ertragen zu müssen.
So viel also zum Thema sanfte und zarte Töne.



Aber vielleicht stimmt es ja wenigstens, dass Streit verklingt und es erträglicher wird. Was auch immer ES ist.
Vielleicht ist meine Freundin nur eine Ausnahme. Denn sie hasst Weihnachten mit der Familie, denn da gibt es wie bei allen anderen Familienfesten auch nur Streit und schlechte Laune. Das einzig gute ist der Alkohol. Und vielleicht ist mein Onkel auch der einzige Krankenpfleger, der jedes Jahr an Weihnachten Opfer von ausartenden Familenstreitigkeiten in der Notaufnahme sitzen hat. Vielleicht.



Weihnachten ist doch die Zeit der Zuversicht.
Aber hat die Oma, die meinen Bruder als Heiligabend Notdienst anruft tatsächlich vergessen, dass ihr Wasserhahn seit 3 Wochen tropft oder ist sie nur etwas einsam zu Hause?



Und ich selbst nehme mir auch wieder vor, in diesem Jahr die Adventszeit eher besinnlich zu verbringen. Mehr Ruhe, weniger Stress. Jeden Tag in dem vollen Bewusstsein worum es wirklich geht. Mir mehr Zeit nehmen, für Gott, die Nöte anderer, zum Plätzchen backen und Weihnachtspost verschicken. Nicht alles wieder auf den letzten Drücker machen. Mir Zeit nehmen, besonders für Menschen. Zuhören oder auch nur zulächeln. Jedenfalls mal nicht vorbeihetzen.
Und während der Adventkalender für meine Family nach der ersten Dezemberwoche immer noch unter meinem Schreibtisch liegt, weil ich einfach keine ruhige Minute finde um den Brief fertig zu schreiben und ihn zur Post zu bringen, rechne ich dreimal im Kopf durch, ob ich es mir leisten kann dem Obdachlosen einen Kaffee zu kaufen, wenn ich für insgesamt…  Sach mal muss ich meine Cousins eigentlich auch etwas schenken?



Und ich bin hier aber mit den Gedanken schon ganz wo anders. Ich versuche jeden Tag meinen Weihnachtsbibelleseplan durchzuziehen und parallel wird die To Do Liste in meinem Hinterkopf immer länger. Dabei wollte ich es doch uuunbedingt schaffen, das mit diesem Kawana Moment umzusetzen. Mit ganzer Hingabe den Moment zu erleben und zu leben. Da zu sein, wenn ich da bin und so. Aber unterm Strich, bin ich auch keinen Deut besser als Tylor Swift, die sich jedes Jahr aufs Neue selbst in die Tasche lügt. Nur dass die wenigstens Geld damit macht.



Und wir alle wollen sie doch so ungern aufgeben. Diese Illusion vom friedlich, besinnlichen Weihnachtsfest und der gnadenreichen Zeit. Wir versuchen jedes Jahr aufs Neue ein bisschen die Geschwindigkeit rauszunehmen und scheitern. Aber das wollen wir nicht wahrhaben, besonders wenn wir glauben zu wissen, was der Sinn hinter alle dem ist. The Reason fort the Season. Als sozusagen Eingeweihte versuchen wir krampfhaft eine Art Auftrag zu erfüllen. Es irgendwie wirklich Weihnachten werden zu lassen, in der Weihnachtszeit.



Und während ich überlege, wie ich den Dezember in diesem Jahr noch retten kann, oder zumindest etwas spiritueller und besinnlicher gestalten, wird mir bewusst, dass Weihnachten eigentlich nie anders war. Weihnachten war nie nicht hektisch, nie für manche Menschen nicht eine einsame Zeit, nie nicht stressig.



Bethlehem. Viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum. Alle wollen etwas. Müssen schnell noch wohin, haben dringend etwas zu erledigen, suchen noch etwas. Einen Platz zum Schlafen zum Beispiel. Aber da ist keiner.
Auch nicht für das junge Paar, dass sich immer weiter durch die Menschenmassen in den kleinen Gässchen quetscht, wie wohl so viele gerade auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz auch.
Und man könnte meinen, dass sie sehr glücklich sind, wie man das von jungen Familien ebenso erwartet.    Doch wenn man etwas genauer hinsieht, sie etwas beobachtet, wie sie ihm einen kurzen Seitenblick zuwirft, er ihr Platz schafft im Gedränge, ist da diese Anspannung zwischen den Beiden.
Eine Gewisse Distanz, die man zu überwinden versucht und Unsicherheit. Also ob man sich erst wieder annähern müsste, als müsste man erst wieder Vertrauen zu einander gewinnen. Ein bisschen so wie nach einem Familenstreit.



Aber die beiden finden genau so wenig einen Platz, wie man noch ein billiges Zugticket nach Hause bekommt, wenn man sich nicht spätestens darum gekümmert hat, sobald der erste Spekulatius im Supermarktregal steht.



Zu laut, zu viele Menschen, zu viel Geräusche und zu viel Gerüche, zu viel Stress und zu viel Hektik,
zu wenig Zeit und irgendwie niemand der Rücksicht nimmt
in Bethlehem.



So war das alles damals schon. Also wie kommen wir darauf, dass Weihnachten irgendwie
etwas anderes ist? anders sein sollte?



Wir leben also in dieser Seifenblase. Naja gut schön. Okay – In dieser Weihnachtsseifenblase.
Vielleicht riecht sie nach Zimt, Weihrauch oder von mir aus auch Tannenzweigen aber sie schimmert auf jeden Fall golden oder ist sogar mit Glitzer gefüllt.
Aber sie bleibt ein Zeichen für Träume. Oder Wunschdenken.
Dem Wunsch nach Zuversicht, Frieden. Sehnsucht nach Glück etwas Ruhe und Besinnlichkeit.
Denn das ist es, was wir, was die Menschen sich so sehr wünschen.
Drum setzen sie jedes Jahr aufs Neue alles daran, genau dies wenigstens für 3 Tage zu erleben.
Und sie rennen und hetzen und boxen die anderen zur Seite, denn in diesem Jahr wollen sie mal an der Reihe sein. Dieses Jahr soll es endlich auch für sie mal ein fest der Ruhe, des Friedens und der Liebe werden.
Oder aber sie haben schon lange aufgegeben und sich damit abgefunden, einfach alleine zu sein.


„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke sich nicht und fürchte sich nicht.“

Johannes 14,27




Wollen wir nicht genau das? Ein ruhiges unerschrockenes Herz, Frieden und sich nicht fürchten zu müssen.
Wir wollen, was Gott ist aber nicht Gott und verstehen nicht, dass dieser Plan nicht aufgeht.
Und deswegen drehen wir uns um uns selbst und im Kreis und versprechen uns jedes Jahr aufs Neue alles anders zu machen selbst wenn das in den letzten Jahren auch nichts gebracht hat.



Was wäre, wenn wir einfach mal aufhören würden Pläne zu schmieden und alles anders machen zu wollen. Wenn wir uns einfach mal nicht damit stressen uns auf keinen Fall zu stressen.
Wenn wir akzeptieren, dass die Weihnachtszeit dieses Jahr wohl wieder laut und hektisch wird,
wir nicht mal annähernd die Hälfte der Plätzchensorten gebacken bekommen, die auf unserer Liste stehen und wir am Ende doch wieder kurz vor knapp noch ein paar Geschenke besorgen, weil wir
den Menschen die wir mögen eben auch einfach gern ne Freude machen, aber es irgendwie doch wieder verpeilt haben uns früher drum zu kümmern.
Was wenn wir akzeptieren, dass wir vielleicht enttäuscht werden und es wahrscheinlich auch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit oder den kleinen Streit geben wird. An Heilig Abend



Und was, wenn wir dann verstehen, dass Jesus eben nicht dahin kam, wo alles ruhig und besinnlich, festlich, freundlich und schön war.
Was, wenn wir einfach zulassen, dass unsere Weihnachtsseifenblase zerplatzt und gar nicht traurig sind darüber oder enttäuscht. Sondern uns an dem ganzen goldenen Glitzer erfreuen können, der durch die Luft fliegt und dem guten Geruch. Wenn wir uns darauf freuen Jesus in diesen Stressmomenten zu begegnen, wir im ganzen Chaos trotzdem Frieden haben dürfen, wissen, dass er in der Dunkelheit auf uns wartet und wir uns weder erschrecken noch fürchten müssen.
Und vielleicht sind das alles nur Worte und unsere Realität sieht ganz anders aus. Aber am Anfang war ja auch nur das Wort. Und ein Licht in der Dunkelheit.
Und ja vielleicht, vielleicht, sind manchmal, ganz manchmal, Seifenblasen eh viel schöner, wenn sie zerplatzen.