sundays for future // hoffnung

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen auf die Straßen gehen, um ein Zeichen zu setzen, vom wichtig schwätzen zum richtig machen übergehen und sich dafür einsetzen, dass wir weiterhin in einer guten Welt fortbestehn. Diese Sache zieht sich durch die Straßen, am Staatstheater vorbei und füllt die Gassen bin hin zum Landwehrplatz mit lautem Geschrei, gegen das Unrecht.

Steh auf und sei mit dabei ansonsten geht es allen die nach uns kommen schlecht, denn das was gerade so unheilvoll in Zahlen gepackt bei Tageschau zu sehen ist, von brennenden Wäldern und schmelzenden Gletschern und aussterbenden Tieren, das gibt es alles echt.

Was ist das was Diktatoren das Fürchten lehrt? Was ist das, was jedes kleine ausgehende Herzensfeuer nährt, und was jeden Gedanken ans Aufgeben erschwert, das was meine eigene Verzweiflung eines Besseren belehrt, mir die Geschenke unterm Weihnachtsbaum beschert und mit mir an der Hand immer wieder zur Quelle neuer Kraft zurückkehrt?

Hoffnung.

Dieses Wort, das eine Sache beschreibt, die manchmal zum schneiden dick und doch unsichtbar ist, sich in keiner Maßeinheit misst, und doch so mächtig über Geschicke bestimmt, dass man sie ernst nimmt: Dort am stärksten, wo man sie wegen all der Dunkelheit am wenigsten vermuten will – Hoffnung.

Neue Kraft, das klingt vielleicht wie Musik in deine Ohren.

Es gibt hier jetzt die Einen, die strotzen nur so vor lauter Kraft, dass sie ihnen aus allen Poren dringt, und es gibt die Anderen, die mehr so wie ich sind, die das Leben fast tagtäglich in die Knie zwingt während es sich anfühlt als ob einem nur zwölf Prozent von allem was man angeht gelingt. Vielleicht startest du oft beschwingt in den Tag mit dem Vorsatz, dass heute wirklich alles gut wird, du einfach dein Bestes gibst und alles nicht so schlimm ist wie vielleicht ausgemalt, und am Nachmittag zittert dein Herz und schreit deine Vorsätze an:

DU HAST DICH GEIRRT,

 alles was dir an guten Vorsätzen im dummen Gehirn rumschwirrt wird dich nur verletzen, erwarte nichts, niemals, dein Erfolg wird ausbleiben, die Nachricht auf die du gehofft hast, wird dich versetzen wie schon so oft und du wirst all die zerbrochenen Scherben des Vertrauens auf das Gute mit Tränen der Ernüchterung benetzten.

Wie dumm du bist, dass du noch glaubst spottet mein Verstand.

Du solltest aufgeben und stumpf vor dich hinleben, und niemals mehr ausgeben als du dir wirklich genau kalkuliert leisten kannst, und die Angst, mein Freund die Angst die dir wachsam im Nacken sitzt, die ist die Stimme auf die du hören solltest. Erinnerst du dich noch an eine Situation, in der du mal trotzdem weitermachen wolltest und gesagt hast: Neee ich glaub aber voll fest daran, das ist meine Hoffnung: dass die Eisbären nicht aussterben, dass meine Oma gesund wird, dass ich es endlich schaffe aufzuhören zu rauchen und dass andere aufhören mich nur dann zu brauchen, wenn es ihnen schlecht geht, daran, dass aus zerrütteter Beziehung unmögliche neue Freundschaft und Annahme entsteht und daran, dass trotz ständigem auf der Stelle treten und drohendem Abgrund mein Leben noch weitergeht

Vielleicht ist alles, was dich gerade über Wasser hält die Hoffnung auf eine neue Welt.

Diese Erde müssen wir nicht festhalten, sie wird vergehen, begraben werden wie Herbstlaub unter Schneewehen, die riesigen Wellen und Winde der Fluten und Gewalten werden die Natur nicht mehr gestalten und wir Menschen werden nicht mehr die sein, die eingesetzt wurden, um zu verwalten, nichts bleibt beim Alten, stattdessen etwas wirklich wunderbares Neues entstehen.

Hoffnung meine gute Freundin, dich lasse ich niemals los. Du bist das Floß auf dem ich vertrauensvoll über Abenteuerflüsse schiffe. An dir halt ich mich fest, du bist einer meiner letzten Griffe in die vermeintliche Luft wenn der vermeintliche Weg in die Gruft ansteht.

Es gibt nen Songtext der geht:

Es gibt noch Hoffnung gib nicht auf, denn Gott ist bei dir, vertrau darauf, es scheint ein Licht in der dunkelsten Nacht, Gott verspricht, dass er keine Fehler macht. Keine Fehler?

Ich habs mal ausprobiert, schon öfter ehrlich gesagt, mein Vertrauen auf diesen vielleicht vermeintlichen Gott gesetzt, und manchmal nur drauf gewartet, dass er versagt, ihm trotzdem jeden Tag mein Leid geklagt und einmal trotzig nicht verzagt, ganz fromm an das geglaubt was ich nicht sehe, aber im Verborgenen liegt.

Und dann, mitten im Hoffen, dann werde ich auf einmal aufgeregt,stehe voller Erwartung auf, von meiner Ersatzbank des Lebens und entdecke voller Erstaunen und Ehrfurcht etwas, dass wie die unfassbar glanzvolle Wahrheit auf mich zufliegt:

Mein Gott hat diesen unbesiegbaren Riesen besiegt? Über alle miesen Alltagssituationen gesiegt, sodass jeder Gedanke an Unmöglichkeit verfliegt!

Er ist größer als ich gedacht habe, dass er sei, kommt nicht nur auf nen Sprung in meinem und deinem Leben vorbei und tätschelt mir den Kopf sondern greift voller Güte da ein wo Hopfen und Malz verloren war.

Wir feiern bald, dass die Jungfrau den Sohn gebar, und wenn mich jetzt jemand fragt, warum mir die Sorge nicht das Herz zerfrisst, dann kann ich immer wieder sagen, dass dieser Jesus, kleines Kind, Mensch voller liebe, allmächtiger Gott, meine ganze wunderbare Hoffnung ist.

Ein Mädchen sitzt im Büro, und die Atmosphäre, die sie mitbringt, ist so drückend, dass man sie hätte zerschneiden können. Sie sitzt auf dem Besucherstuhl. Ihr junges, schmales Gesicht ist eins von denen, auf denen das Lächeln sich nur auf der Oberfläche kräuselt, aber als ich sie anschaue nehme ich nochmal wahr, wie hübsch sie ist. Ihre mandelförmigen Augen blicken unruhig und kalt im Raum umher, jedes Blinzeln ist wie ein Schuss auf ihr Gegenüber. Die Munition besteht aus kugelförmiger Intensität, mal scharfe Aufmerksamkeit, mal Empörung, mal Dramatik. Aber jetzt sind es Schmerz und Wut.

Sie rührt mich, und ich würde ihr in all ihrer Anspannung gerne eine Freundin sein, was natürlich vollkommen utopisch ist, da sie nur ein Mädchen ist, was zufällig in dem Büro meiner Chefin sitzt, während ich auch nur ein Mädchen bin, was zufällig hier sitzt. Als sie ihren Pullover über den rechten Arm herunterzieht, sieht man schwarze Prellungen, die ihre Erzählungen noch dunkler färben. „Ich wollte halt die Beine nicht breit machen, mir solls doch auch bisschen Spaß machen. Aber jetzt bin ich durch mit ihm.“. Das andere Mädchen mit den dunkleren Haaren und dem neckischeren Augenaufschlag war williger gewesen, hatte ihn mehr als nett angelächelt. Die Nacktbilder, die sie ihm geschickt hatte, hatten am Tag danach auch alle anderen schon gehabt. „Wie eine Hure“. Alles offengelegt, alles verletzlich, alles so, so dumm.

Und hier sitzt die Andere, Betrogene, mit der Stimme, die klingt, wie raues, zerbrochenes Glas. Ich hätte nur die Hand ausstrecken müssen, um sie zu berühren, eine Brücke mit meinem Arm zu bauen, um die tröstenden Worte schneller zu ihr herüberzuschicken. Was hat dich so geblendet, hätte ich am liebsten gefragt. Aber eigentlich weiß ich, wie schnell man sich blenden lässt und auf einmal regungslos stehen bleibt, auf der Straße, die man überquert hat, ohne zu wissen, dass es eine tödliche ist, festgefroren im Scheinwerferlicht. Sie sitzt starr auf ihrem Stuhl und die Fingerknöchel zeichnen sich weiß unter ihrer Haut ab, als sie sich an die Tischkante klammert. „Ich habe angefangen ihn zu schlagen. Und dann hat er zurückgeschlagen.“

Diese Geschichten zu hören ist mir inzwischen nicht mehr fremd. Und es ist so seltsam, dass sie so alltäglich sind, dass ich selbst die Schockstarre verliere, in der ich früher verharrt hätte. Aber ich rede weiter mit dem Mädchen, als wären das alles Dinge die passieren, die furchtbar sind, aber die eben passieren. Ich werde nie aufhören ihnen allen zu sagen, wer sie sind, aber ich werde immer gelassener während ich das tue.

Sie verabschiedet sich und lacht, und ich weiß, dass dieses Lachen bedeutet, dass das Leben für sie gerade okay ist.

ELI

Piano and Hammond neatly rested in the center of the place of worship. The choir left, it is late and all the eyes can make out in the smooth blue night light are the shapes of the instruments. Then the rhythmic sound of sweeping is heard. A middle aged man with a broom taking care of the holy place. You hear his singing, probably because the acoustics make his voice grander in the hall, but some notes are rough, still, a passionate heart beating behind them is heard. Just a humble servant taking care of temple.

‚All the street lights, glowing
Happen to be just like moments, passing
In front of me, so I hopped in the cab and
I paid my fare, see I know the destination..‘

A blink of the eye and the man is joined by a piano glistening with the stars in his best language furthermore, while the Hammond enriches the depth of the moment with its warm pipes. The servant is singing, supported discreetly by a brother embellishing around his melody. He sings these lines over and over, It is a raw, emotional, honest without shame and pride. Offering himself to Him.

I wouldn’t encounter this song until I heard Daniel Ceasars‘ rendition many years later, wondering who could write such a song that fit perfectly to my view on life back then. A song about being too slow for the world, fearful of not being able to grow and mature, uncertain of the future. All these memories I had, the heartbreaking and uplifting, passed me by too quickly. It was this rendition that I listened to most of the time where I didn’t know what God planned and where He took me. Little lights of memorable moments and in between and front of me. Where does this road go? Why is it so dark between the lights? Why am I moving too fast? One moment led to the next, not ever grasping the full context. I remember multiple walks home late at night in the cold air while listening, contemplating, trying to make sense of it all. It became a special song to me.

As I found out who really wrote Streetlights, and on which album it appeared on, it took me back to the time as a ten year old kid when I was playing songs out of 808s and Heartbeaks from my PSP. When having a sleepover at my cousins place was a rare gift that was only granted on seldom occasions, in turn fully living out every second I was there. The album just came out, and my older cousin, which I will forever be grateful to have been influenced and defined by in terms of music, was playing it on repeat, having listening sessions with us. But we only let the hard hitting beats on the album play, skipping the songs that were more subtle and slow. Streetlights was never part of the memory. Welcome to Heartbreak, Amazing, Robocop, Heartless and Love Lockdown were the most prominent songs and the ones that were loaded on my PSP. It was the start of a new world to explore for a ten year old filipino-german kid, back then, when everything was new.

Now almost eleven years later, after this album helped shape an entire generation of new rappers, after witnessing a whole lot of mistakes, stage crashes, red hats, and mental breakdowns, women over women- after self harming thoughts and constant self judging, after years of crippling self confidence and convinced insignificance, after finding street lights –

I sat there, looking at him sing it, expecting the last line to be

‚But I’m just not there‘

Yet, I heard,

‚God took me there.‘

The questioning turned into answering, the suffering turned into healing, the sinning into redeeming. From a self-proclaimed god to a humble worshipper. From a kid with no meaning to a man of purpose. The ego and the self-critic came to the same truth, the only way out of our search for purpose and fulfillment. And in that holy place, dimly lit by blue lights, with the piano and the Hammond playing, with the servant holding the broom singing, I was singing with him. In awe of that one changed lyric, applied to my life once again and on the deepest level. We both looked back at the street lights, in the presence of this truth, and this love and it all made sense. This answer.

JESUS IS KING.

Verheiratet Vol. 1

Ein goldener Ring steckt an meiner linken Hand. Er ist das Ebenbild des Bruders den mein Mann trägt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt „mein Mann“ zu sagen. Schwieriger ist es einen neuen Namen zu verinnerlichen. Dieser neue Nachname ist jetzt meiner, den alten lege ich Stück für Stück in die Schublade der Erinnerungen. Jedes Mal wenn ich mich am Telefon melde oder einer Dozentin meinen neuen Namen nenne, komme ich mir vor wie ein kleines Kind das erwachsen spielt. Ich erwarte unwillkürlich, dass gleich jemand aus dem Off springt und ruft: „Was soll das Vero, jeder weiß, dass das nicht dein echter Name ist!“. Dann fängt die andere Person am Telefon an zu kichern und meine Dozentin zwinkert. Wie wenn man Prinzessin oder Detektivin spielt. Dann fällt es schwer, zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Was ist echt und was ist Wunschdenken? Darum bin ich dankbar, für das schimmernde Stück Metall an meinem Finger. Unaufdringlich und unverschnörkelt unterstreicht es meinen neuen Beziehungsstatus. Dann erinnert mich der Ring auch an mein „Ja“ mit Nachruck vor dem Altar in der schönen Kirche gegeben, vor fast allen Menschen, die ich liebe. Sie waren da, sie wissen es. Ich hoffe es bleibt noch ein bisschen so, sich an etwas zu gewöhnen passiert immer, wenn man aufhört darauf zu achten. Irgendwann vergesse ich bestimmt auch, wie meine alte Unterschrift ging und wie sich der andere Name angefühlt hat. Ich denke viel nach und drehe jedes Gefühl am liebsten dreimal um, bis ich auch selbst daran glaube, dass es sich erstmal nicht mehr ändert. An einem Ring drehen erweist sich als ziemlich hilfreich dabei.
Am verheiratet sein mag ich sehr: Das immer Zusammensein und das nicht mehr alleine Aufstehen. Jeder Tag hat die Konstante der Präsenz dieser anderen Person, die ich mehr liebe als alle Anderen. Ich habe mal auf einem Blog von einem frisch verheirateten Mädchen die Aussage gelesen: Verheiratet sein ist wie ein ewiger Sleepover mit deinem besten Freund. Dieses Bild finde ich sehr schön und sehr passend. Es ist eine Übernachtungsparty im Alltag, nicht immer, aber oft und ich versuche einfach nie zu vergessen, dass das mein bester Freund ist, der da neben mir liegt, und nicht nur der andere Teil meiner kleinen Familie und mein Mann.
Beim Nachdenken ist mir auch aufgefallen, wie ausschlaggebend die Entscheidung war, die ich vor drei Jahren getroffen habe. Da lag sehr viel mehr in dieser Entscheidung als nur die Wahl eines etwas abgespaced klingenden Studienfaches und einer Stadt, die klein und unbedeutend auf der Landkarte aussah. Ich weiß noch wie Gott damals geflüstert hat „mach das ruhig, das ist der Weg, den ich dir eröffne“. Ich wusste nicht wohin es geht, was mich erwartet, noch ob ich jemals mit diesem komischen saarländischen Dialekt klar kommen würde. Ich hatte Angst an einen Ort zu gehen, an dem ich stecken bleiben und meine Träume aufgeben würde. Ich hatte Angst meine Selbstständigkeit und meine Abenteuerlust zu ersticken.
Aber vor etwas mehr als einem Monat hab ich dann den Weg in eines der größten Abenteuer überhaupt gewagt, weil ich weiß, dass Gott dabei ist. Es ist nur eins von vielen, die sich durch das Leben in dieser Stadt ergeben haben und ich bin sehr überrascht darüber, dass mein Tatendrang hier kontinuierlich gewachsen ist. Es gibt tatsächlich noch größere Abenteuer als das Leben als Vagabundin und Künstlerin, von dem ich früher geträumt habe. Ich wurde dazu eingeladen mich einfach darauf einzulassen und das mit dem Aufgeben zu vergessen. Das ist es kaum erwarten kann, muss man wohl nicht erwähnen.

mehr oder besser ging irgendwie nicht

Beziehungsarbeit. Ich komme die Tür herein und im Klassenraum sitzen fünf Jugendliche, die hier ihre Ausbildung machen. Cheyenne erzählt lautstark wie sie diese eine dumme Fotze aus der Parallelklasse verprügelt hat und Melisa stimmt mit ein. Gelächter. „Ich hätt derre so eine ringezoh dass es am End die Zähn wieder grad gehott hätt.“. Evelyne hat ihr Handy unterm Tisch versteckt und sitzt schweigend und zurückgezogen mittendrin. Ich ignoriere die Handysache, weil es mir egal ist, solange sie später in der Praxis ordentlich arbeitet. Gestern hat sie mir entgegen ihrer sonst ruppigen Art fast kleinlaut erzählt, dass sie sich ihre Bankkarte von ihrer Mutter zurückgeholt hat, weil diese ihre seit ihrem ersten Ausbildungsgehalt „verwaltet“ hat. Von den 600 Euro Lohn hat Evelyne 50 Euro pro Monat gesehen. Ihre Haare sind zurückgekämmt und in einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und ihr Gesicht sieht dadurch noch mehr so aus als wäre die Haut einfach wie dünnes Papier über ihre Knochen gespannt worden. Sie isst nicht gerne, nicht, weil sie sich bewusst dazu entscheidet, sondern weil es ihr glaube ich an Lebenslust fehlt.

Bleierne Müdigkeit liegt in meinen Armen und Beinen. Irgendwie ist heute einer dieser Tage, an denen ich jede noch so kleine menschliche Bürde nicht mehr ertrage. Alles ist so schwer, die Atmosphäre geladen mit so viel Druck, so viel Sehnsucht und Nicht-Ankommen, so viel Verlangen. Ich fühl mich manchmal als würde ich die Richtung kennen, in die es geht und dahin laufen, aber alle Anderen setzen sich wie Felsbrocken auf den Weg und starren stumm Löcher in meinen Rücken, bis ich die Spannung nicht mehr aushalte und mich zu ihnen umdrehe. Wieso lauft ihr nicht selbst? Ich geh auch voran, aber ziehen kann ich euch doch nicht, nicht alle! Jeder von euch weiß es doch eigentlich!

Neues kann man den wenigsten Menschen erzählen. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig wissen. Das Problem ist, dass wir zu viel fühlen was in dem Moment passiert und dem mehr Glauben schenken als allem, was wir eigentlich schon erlebt und ausgewertet haben. Erfahrungswerte muss man festhalten und ihnen immer wieder neu Bedeutung zu sprechen, sonst sind sie erfahrungswertlos. Kennst du das, wenn es Winter ist, und du seit Wochen in Jacke rumläufst? Wie schwer ist es, sich vorzustellen, man ganz lange Nachts nicht mal einen Pullover drüberziehen musste, weil es so heiß war? Alles was mal war, aber gerade nicht so ist, erscheint vollkommen unwirklich. Und deshalb fällt es uns so leicht die Datenbank der Wahrheit in unserem Gehirn mit akuten Emotionen und Ängsten zu überschreiben.

Ich helfe gerne, mit allen Beinen, Händen und Herzen, die ich habe, aber immer wieder reicht es wohl nicht. Was heißt denn dieses „Es hat gereicht“? Dass die Person ganz und sich selbst genug ist? Dass sie sich für das Richtige entschieden hat und dabei bleibt? Dass sie gesund ist, und im Schnitt fähig ist, ein gutes Leben zu führen? Ganz ehrlich, dann wird es niemals reichen. Die gesamte Energie meines ganzen Lebens zusammengebündelt würde das nicht vermögen. Woher ich das weiß? Weil sie oft nicht einmal genug ist um mich selbst bei Laune zu halten.

Punktuelles Investieren funktioniert bei einer Reaktion von einer Eisen/Schwefel-Pyramide. Einmal katalysiert und das Ding läuft von selbst ab. Menschen sind eher wie kochendes Wasser oder so. Man braucht eine Menge Zeit sie anzuheizen und ohne Wärmezufuhr fällt die Temperatur schnell. Aber Menschen können sich (zumindest oft) aussuchen, welchem Umfeld sie sich aussetzen. Gefrierschrank oder Herdplatte?

Wann soll ich jemanden sein eigenes Ding machen lassen, ohne ihn mehr zu ziehen, ihm zu sagen „Probiers doch nochmal“? Wann dränge ich jemanden in eine Farce hinein, indem ich ihn ermutige weiterzugehen? Wie lange gilt ‚fake it til you make it‘ ohne, dass der ungesunde Fake bleibt? Ich muss mich selbst oft genug davon überzeugen, dass alles doch nicht so schlimm ist, dass die Sonne wieder aufgehen wird, dass es nicht weniger Gott im Schatten gibt, und dass die Wahrheit nicht auf einmal nonexistent ist, wenn es regnet und ich sie nicht sehe. Ich denke, es ist richtig nicht nur die Wahrheit so zu nehmen wie die Gefühle kommen, und mich manchmal dazu zu entscheiden, an das zu glauben, was ich nicht sehe.

Es wäre so oft einfacher zu sagen „Mach was du willst, es ist dein Leben.“. Das zu sagen wäre berechtigt. Denn es ist dein Leben, und ich darf niemals vergessen, dass meine Entscheidungen allein in mein Leben gehören und nicht in deins. Sonst werde ich immer dich dafür verantwortlich machen, dass du meiner Entscheidung nicht gefolgt bist und keinen Bock auf die Extrameile hattest, die ich für dich gegangen bin. Mein Fehler. In meinem Lieblingsbuch steht: „Gib alles was du gibst so, dass du es nicht zurückbekommen müsstest.“ Denn oft kriegt man es nicht zurück. Ich kann es mir sehr gut überlegen, was ich gebe, mir sagen, okay, diese Ressource behalte ich für mich, die brauche ich. Denn alles was weg ist, ist weg. Es gibt keine Garantie dafür, dass etwas zurückkommt, und vor allem auch keinen Anspruch auf Entschädigung.

Alles richtig machen zu wollen – das kenne ich. Sich selbst klein und lächerlich  und mickrig zu fühlen – das kenne ich auch. Sich selbst zu hassen und wehzutun – das kenne ich nicht. Aber ich kenne die Ansätze der Dinge, die einen unglücklich machen und auch die, die einen glücklich machen gut genug  um zu wissen, dass es nie schlechter wird, wenn man jemanden hat, mit dem man reden und lachen kann, und bei dem man auf der Couch sitzen kann und sich zuhause fühlen darf, auch wenn die Person gar nicht da ist. Ich hab ne Couch und im Lachen bin ich ganz gut, dann bekommst du halt einfach das, bis mir was Besseres einfällt.

Wundersame Menschenwesen, das Schönste dieser Welt, was mir je begegnet ist, und trotzdem so viel Schutt und Asche in jedem Leben. Ich würde immer wieder alles darauf setzen. Nicht weil Menschen so verlässlich sind, oder so viel Güte und Freundlichkeit in ihren Taten liegt, das kommt zwar auch immer wieder vor, aber ich weiß von mir selbst am allerbesten, dass ich in einer einfachen Kosten-Nutzen Abrechnung immer noch mehr Ressourcen verbrauchen würde als welche zu schaffen, als diese Welt besser zu machen, was auch immer das heißen soll.

Trotzdem, Mensch, wenn du vor mir stehst, dann kann ich nicht anders, als zu sagen, du bist es wert. Und das ist vielleicht oft der erste Tropfen im Glas der Wertschätzung des anderen Lebens, das nach oben hin gar keinen Rand hat. Deswegen wird auch nie reichen, was ich ausgieße. Aber mit jedem Mal wird es ein bisschen reicher. Und das reicht mir.

Wert schenken

– „Wärt ihr nicht gewesen, wäre ich vielleicht nicht hier geblieben.“

– „Wegen euch bin ich in diese Stadt gezogen.“

– „Wegen euch bin ich hierher zurück gekommen.“

[Ein Gespräch unter Freunden, das mir immernoch Gänsehaut verursacht, wenn ich daran denke.]

Ohne euch wäre es nicht mal halb so schön hier. Ihr macht aus jedem beliebigen Ort (m)ein Zuhause. Danke.

Ein Hoch darauf, dass wir mit Worten Wert schenken können!

Aus gewisser Entfernung betrachte ich eure Gesichter, umtanzt von kleinen Lichtpunkten, die sich mit mir an eurer Schönheit zu freuen scheinen. In euren Gesprächen verweben sich Mimik und Gestik. Aus dieser Distanz gesehen – eine einzige Interaktion: Wie ihr einander anseht, voller Freundlichkeit und ernst gemeinter Anteilnahme. Jedes Lachen ist ehrlich und darum so überaus ansteckend.
Mittlerweile kenne ich euch schon so gut, dass ich schon ungefähr weiß was ihr zueinander sagen könntet und doch könnt ihr mich immer wieder überraschen und umwerfen. Ich bin immer wieder aufs Neue begeistert von eurer Art und eurem Einfallsreichtum, mit dem ihr Freude und Liebe verschenkt, als wäre es das Einfachste auf der Welt.
Mein Leben wird mit euren Farben eingefärbt und wird dadurch um so viele Nuancen bunter. Der Klang eurer Stimmen eilt euch voraus, sodass ich schon lächeln muss bevor ich euch schließlich um die Ecke biegen sehe.
Mit euch fühle ich mich einfach wohl. Und das bedeutet mir so viel. Ihr seid Familie.

Wir feiern uns, wir feiern dich. Denn es gibt immer einen Grund zu feiern und sei es „nur“, dass du geboren bist. Wie schön. Wie überaus – und wunderschön.
Welch grandiose, wunderbare, hervorragende, herrliche, famose Wirklichkeit, die ich mit dir teilen darf.
Wie schön, dass es dich gibt!

 
~ Anne

Traumzauberbaum

 

Nun – einmal stehn und ruhn,
bevor sie weiter geht.
Innehalten – durchatmen.
Da steht sie nun und kann mal ruhn.
Nach all dem was ging, vor all dem was kommt.
Inmitten ihres Gleichen
stellen sich für sie ganz unbemerkt und doch ganz klar, allmählich nun die Weichen.
Da steht sie nun
kann in sich ruhn
Das was sie war – so wie sie sich sah
einst klein und fein – so stand sie da.
Am ersten Tag noch etwas zart
Doch jetzt steht sie da, auf ihre Art,
ganz ruhig und fest.
Einst sprang sie so aus ihrem Nest
Jetzt steht sie da
Die Sonne strahlt sie an
und weil sie scheinst gar nicht anders kann
strahlt auch sie. So steht sie da.
Die Sonne im Gesicht
und Wind kommt auf. – Er zieht an ihr.
Doch das stört sie nicht.
Denn sie weiß jetzt was sie kann und wer sie ist.

Traumzauberbaum

Ist wie ein Baum.
Ist fest verwurzelt – und doch beweglich.
Sie wiegt im Wind und tanzt mit ihm
Und kommt auch bald ein Sturmtief auf
wirbelt Zweifel, Ängste, Trübsal auf
beraubt sie ihrer Blätter, lässt sie im Regen stehn
ist das okay – die Zeit wird weiter gehn.
Und ist sie auch mal einsam, kalt und rau
erblickt sie eines Tages wieder himmelblau
den weiten Horizont.

Denn da steht sie nun – kann in sich ruhn.
Hat viel erlebt, sich stehts bewegt und gelebt
Hat Geduld probiert – gelernt.
Da steht sie nun – kann in sich ruhn
Denn sie ist schon wer – und kann so viel.
Sie ist ein Traumzauberbaum inmitten seines Gleichen.
Vielleicht auch nur ein Traumzauberbäumchen
Inmitten seines Gleichen
Der in sich viele Träume hegt
und sie in sich zauberhaft bewegt
Denn jedes dieser Pflänzchen sprießt
und wenn man´s gießt wird daraus ein großer Baum
Grad wie in einem Traum
wunderschön, wie er fest und sicher steht, sich dennoch stehts bewegt
stehts durch alle Zeiten geht
wie er mal hell – dann dunkelgrün,
dann bunt und glitzernd weiß
in seiner Pracht erstrahlt
fängt immer wieder an zu blühn…

Da steht sie nun
als Traumzauberbaum
Hält sie fest an ihrem Traum
Und dem Zauber, der sie umwebt
und auf ihrem Weg stehts mit ihr geht…