Wo die Geschichte beginnt

„Jeder möge sein eigener Geschichtsschreiber sein, dann wird er sorgfältiger und anspruchsvoller leben.“

-Bertold Brecht-

Der Lockdown durch das Coronavirus war das erste historische Ereignis, das ich wirklich erlebt habe, habe ich gerade gedacht. Ich bin 22 Jahre alt, habe in den Nachrichten viele politische und soziale Krisen mitverfolgt. Aber was habe ich wirklich miterlebt, was hat mich wirklich betroffen?

Ich kann mich noch an die Einführung des Euros erinnern, aber eben nicht an die Mark, als Kindergartenkind ist ein Davor und Danach schwierig zu verstehen. Ich kann mich an die Wahl von Angela Merkel erinnern, aber nicht an die Politik vor ihr. Ich war schon am Leben als das World Trade Center zerstört wurde, aber ich kenne Amerika nur als einen Staat, an dem man stundenlang warten muss, bis man am Flughafen durch die Security darf. Ich kann mich an die Wiederwahl von Obama erinnern und an den Schock als Trump die Wahl gewann. Ich erinnere mich an den Einsturz der Fabrik in Bangladesch und dass ich danach nicht mehr zu H&M wollte und an Edward Snowden. Als ich gerade alt genug war, um zu arbeiten, wurde ein paar Monate später der Mindestlohn eingeführt. Ich erinnere mich daran, wie die ersten Flüchtlingsheime nach Ehrenamtlichen Helfen gesucht haben und die ersten Geschichten, die mir Menschen, die ihn erlebt haben, über den Krieg in Syrien erzählten. Ich erinnere mich nicht mehr daran, welcher der erste Amoklauf war, von dem ich gehört habe, aber ich erinnere mich an die erste Amoklaufübung an meinem Gymnasium. Ich erinnere mich daran, dass Lehrerinnen und Lehrer gesagt heben, dass ein Atomkrieg jeder Zeit ausbrechen kann. Ich erinnere mich an den ersten Protest von Greta Thunberg und die erste Fridays-for-Future Demo in meiner Stadt. Ich erinnere mich an viele Brexit-Diskussionen. Ich erinnere mich an George Floyd.

Meine Lateinlehrerin hat mal einen Satz zu mir gesagt, den ich nie vergessen werde: Ihr seid die erste Generation, die weder Krieg noch politische Einschränkungen erlebt hat. Alles richtig Schlimme ist immer irgendwo anders passiert. Krieg im Osten, Krankheiten in Afrika, Finanzkrisen im Südosten, Amokläufe an anderen Schulen, Naturkatastrophen in exotischen Ländern und den USA. Ich versuchte mir klar zu machen, dass wir nicht im blinden Fleck leben, dass hier auch schreckliche Dinge passieren können und schon passieren. Ob Jugendliche aus Kriegsgebieten auch Panem gelesen haben? Wie muss es sein, wenn man nicht Lesen kann? Als ich dann alt genug war, um meinen Wohnort selbst zu wählen, habe ich doch das sichere Deutschland gewählt. Natürlich, weil meine Familie hier ist, weil meine Wurzeln hier sind. Aber auch ein bisschen, weil meine Freunde aus Hongkong und Ecuador immer so lange um ihr Visum kämpfen müssen und weil man in Mexiko nicht einfach überall abends, als Frau, allein auf die Straße gehen kann.

Ich denke, worauf ich hinaus will ist klar. Ich lebe in einem privilegierten Land, in einer privilegierten Stadt, in einer privilegierten Familie. Ich kann sogar als Frau studieren WAS ICH WILL. Als ich mein Abitur gemacht habe, habe ich gelernt, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, welche neuen Ideen und Kämpfe wir mittragen. Wir sind selbst dafür verantwortlich, worüber wir uns informieren und was wir mal an unsere Freunde, Geschwister und Kinder davon weitergeben. Wir sind immer selbst dafür verantwortlich, wie wir über die denken, die weniger privilegiert sind, dafür was wir über sie und ihre Geschichte wissen und dafür, wie wir anderen Menschen begegnen. Jeder Tag ist eine neue Chance. Jeder Tag enthält die Möglichkeit der absoluten Schönheit.

“Let us not wallow in the valley of despair, I say to you today, my friends.

And so even though we face the difficulties of today and tomorrow, I still have a dream. It is a dream deeply rooted in the American dream.

I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.’”

-Martin Luther King, Jr.-

Als ich den Garten fand

Meine Mutter ist Gärterin und Florsitin, solange ich mich erinnern kann waren unsere Wohnungen von Pflanzen bevölkert. Es gab kleine, hübsche Orchideen, Kakteen, Sukkulenten, große exotische Palmen und Olivenbäume. Wir hatten nur selten heimische Pflanzen bei uns, weil es meiner Mutter besonders die südländischen Gewächse angetan hatten. Fast jedes Wochenende nahm sie uns mit nach draußen, in den Wald, in eine Baumschule oder irgendein anderes Grün. Als ich älter wurde fand ich meine eigenen Vorlieben. Wildblumen hatten meiner Meinung nach den ehrlicheren Charakter. Nelken und Ranunkel wählte ich in meinem Herzen zu den schönsten Schnittblumen.

Mein Opa, ein lustiger, einfacher Mann, hat einen Schrebergarten. Da meine Eltern geschieden sind und mein Vater in einer anderen Stadt wohnt, waren wir immer seltener dort, je älter ich wurde. Mein Opa hat nicht oft über seinen Garten gesprochen. Jeden Sommer gab es dort Familienfeste, von denen ich sehr hoffe, dass sie diesen Sommer wieder möglich sind. Ich erinnere mich am besten an die Pflaumen und Kirchen, die es dort gibt. Und daran, wie groß die Tomaten und Gurken sind, die er anbaut. Erst in den letzten Jahren, nachdem mein Opa einen Schlaganfall hatte, habe ich verstanden, wie viel Zeit und Liebe er in dieses Stück Land steckt. In seinem Alter hätten die Meisten seine gesundheiche Situation viel schelchter verarbeitet. Er ging aber, sobald es ihm, als er aus dem Krankenhaus kam, erlaubt war, wieder in seinen Garten und hielt sich auf Trab. Ab Juni war seine spanische Haut tief gebräunt und sein Garten erblühte in den herrlichsten Farben.

Meine Oma hat den schönsten Zaubergarten, den ich kenne. Als Kinder haben wir uns zwischen den ausladenden Büschen und Blüten versteckt, uns Kronen aus Gänseblümchen gemacht und Elfen gespielt. Sie ist eine romantische Frau, die mich gelehrt hat, die Ästhetik des Gartens und des häuslichen zu lieben.

Tief in meiner Erinnerung ist noch ein anderer Schrebergarten vergraben. Es ist der Garten meines Uropas. Er hieß Wilhelm und hatte einen Garten, zu dem man zu Fuß von seiner Wohnung aus laufen konnte. Er war ein strenger Mann und es war ein strenger Garten, versteckt hinter einem kleinen Waldstück. Am Eindrücklichsten erinnere ich mich an seine Beerensträucher und wie dort Johannisbeeren zu meinen Lieblingsfrüchten wurden. Nur bei ihm gab es die weißen und schwarzen Sorten, die ich vorher nie im Supermarkt gesehen habe.

All diese Erinnerungen habe ich in meinem Herzen aufbewahrt, ohne mir ihrer bewusst zu sein. Als ich letzten Sommer geheiratet habe und mir wirklich vorzustellen begann, was ich mir für meine Familie wünsche, ist mir all das Stück für Stück wieder eingefallen. Als Teenager habe ich lange kein Interesse an Pflanzen gehabt und auch später dachte ich, dass ich kein Talent für das Gärtnern habe. „Du hast einfach keinen grünen Daumen“ habe ich mir gesagt, als die nächste Zimmerpflanze in meiner WG starb. Wir hatten dort nur einen sehr kleinen Balkon, in dem ich es im zweiten Jahr schaffte, einige hübsche Blumen und eine Tomate aufzuziehen. Außerdem eine Gurkenpflanze im Balkonkasten. In der neuen Wohnung mit meinem Mann gibt es viel mehr Platz, einen großen Balkon und sogar einen kleinen Garten für das ganze Haus. Letzten Herbst bin ich dann auf die Unigärten gestoßen. Dort gibt es das Angebot, dass alle Studierenden, die Interesse haben, ein Beet bestellen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Bei mir kam alles zusammen. Ich wollte schon lange einen besseren Weg finden, ökologisch an Gemüse und Obst zu kommen. Im Supermarkt ist die Versuchung für mich immer groß, einfach zu kaufen, was in der Auslage ist. Aber wenn ich es selbst anpflanzen würde …

Den Winter über ist die Begeisterung in mir gewachsen. Ich fand Blogs wie @tidyniceandneat von Franzi, @hauptstadtgarten von Caro oder @krautkopf. Dafür bin ich jetzt besonders dankbar. Bevor ich solche Blogs gelesen und mich wirklich damit befasst habe, dachte ich zum Gärtnern müsste man das bestimmte Talent haben und vor allem einen großen Garten. Aber als ich im Februar die ersten Samen in Aussaatschalen ausgesät habe, hat sich etwas in mir bewegt. Ich mache nicht, dass die Pflanze wächst. Die Pflanze macht das selbst, das ist Leben, dem ich Platz in meinem Wohnzimmer auf der Fensterbank gebe.

Als Anfang März der Shutdown kam und ich wegen der Coronabeschränkungen kaum noch raus durfte, habe ich mich um Setzlinge gekümmert und Stunden damit zugebracht, zu vereinzeln, Erde in kleine Töpfchen zu füllen und neu auszusäen. Die Radieschen sind besonders nett zu mir gewesen. Ich habe sie schon ab März in Bauschuttkisten auf dem Balkon gezogen und ein paar Woche später die ersten geerntet. Wie konnte so etwas Schönes entstehen während auf der Welt so viel schlimmes geschah? Ich glaube an Gott und habe ihm in diesen Wochen besonders viele Fragen über Leben und Tod gestellt.

Als mein erstes Pflänzchen vertrocknet ist, weil es zu lange in der Sonne stand, tat das weh. Aber je öfter das passiert ist und je mehr Pflanzen ich erfolgreich an der Uni in das Beet gesetzt habe, desto stärker wurde meine Überzeugung, dass ich gerade ein Geheimnis entdeckte.

Während der vielen Wochen, die ich vorwiegend Zuhause verbracht habe, war ich natürlich froh über meinen Balkon und den kleinen Garten am Haus, in dem meine Nachbarin Blumen gepflanzt hat. Es war aber vor allem die Arbeit im Freien und mit dem Grün zwischen meinen Fingern, die mir geholfen haben. Ich bin eine eher ruhige Person und brauche immer wieder meine Auszeit vom Trubel der Welt. Darum lese ich viel und schreibe viel, aber gegen die erdrückende Stille, die Corona mit sich brachte, hat das nicht geholfen. In meinem Kopf liefen gerade in den ersten Tagen des Shutdowns alle Rechner auf Hochtouren. Die jungen Karottenpflänzchen dagegen blieben von allem Trubel und jeder Panik ungerührt.

„Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute auf der Wiese grünt, morgen aber schon verbrannt wird, wie konnte er euch dann vergessen?“ (Matthäus 6.30)

Die Pflanzen schenken mir Ruhe und gleichzeitig eine Beschäftigung. Durch sie sehe ich, dass immer alles weitergeht und wir, die Menschen, nicht das endgültige Maß der Dinge sind. Aber das wichtigste ist, wie auch bei Büchern: Pflanzen lieben jeden, der sich um sie kümmert.

Perspektivwechsel

 

Wer kennt sie nicht, die ober schlauen, wenn auch noch so gut gemeinten oftmals doch so unnützen Ratschläge.
Am besten alles von einer andren Seite sehen, weniger pessimistisch, das Ganze nicht aus den Augen verlieren.
Wenn das doch nur so einfach wäre.
Für mich hat es einen Abstand von ca. 450km benötigt bis mir klar wurde was Perspektive bedeutet. Der Punkt ist doch; nur allzu oft steh ich, nur allzu lang stand ich in meinem Leben, in einem kleinen, schönen Tal. Einem Kessel, von zauberhaftem Wald umgeben, der mir keine auch noch so kleine Aussicht darauf gewährt was da draußen in der großen weiten Welt auf mich wartet. Ein Suppenteller, der meinen kleinen Horizont auf die Baumkronen am Tellerrand begrenzte. Und versteh mich nicht falsch, daran war nichts Verkehrtes oder Schlechtes, mehr trottend vertraut und diese schleppende Gewohnheit.

Und dann, 450km, 5h Fahrtzeit, ein paar Tränen und langen Umarmungen später steh ich hier. Auf weitem Land, um mich rum, nichts als weites Land. Mal mehr, mal weniger Lichter, Straßen, Häuser, mal mehr mal weniger Felder, Wiesen und Sträucher, aber immer diese Weite. Eine Weite, die meinen Blick einfangen und sogleich mit auf Reisen zu nehmen scheint. Eine Weite, die mir Geschichten ans Ohr trägt, von nie gesehenen Wanderwegen, nie kennengelernten Menschenkindern, nie erlebten Abenteuern, nie gekostete Marmeladenglasmomenten, die scheinbar von mir aufgehoben werden wollen.
Wunderschön.
Weit.
Neu.
Viel.
Zu viel!
Oder doch nicht…? Denn du stellst mich auf weites Land. Und genauso wie du in meiner kleinen Badewanne aus gewohntem Alltag bei mir warst, so bin ich gewiss, trägst du mich auch jetzt. Ich will nicht behaupten, dass du mir Flügel verleihst und mir fliegen beibringst, das tut schon ein roter Bulle, oder verspricht es zumindest. Doch ich hab genug von albernen und zudem noch leeren Werbeversprechen.

home

Ihr seid mein Ursprung. Bei euch red ich nicht um den heißen Brei herum, bei euch fühl ich mich meistens nicht dumm, denn ich weiß, egal wie seltsam ich bin, ihr nehmts mir nicht allzu lange krumm.
Ich habe ein paar Jahre gebraucht um zu verstehn, was Familie ist, vor allem als ich gegangen bin, hab ich euch vermisst und gleichzeitig gemerkt, dass man den gemeinsamen Lebensrhythmus schnell vergisst, der einst den ganzen Alltag vorgegeben hat.
Zusammen den Tag zu beginnen findet nicht mehr statt und auch Abends werden wir nicht mehr gemeinsam satt, sondern jeder für sich an seinem eigenen Tisch.
Euch weniger zu sehen heißt noch mehr von euch zu halten, nicht weil ihr auf einmal mehr super seid, sondern weil sich jeder mehr Mühe und es weniger Streit gibt, um die Zeit, die wir gemeinsam haben befreit und in den buntesten Farben zu erleben.
Ich hab manchmal Angst alles von euch zu verpassen, kann mich nicht mehr auf die kleinen Momente zwischen Tür und Angel verlassen und hör auf, die gemeinsamen Sekunden wenn wir uns mal sehen mit Zeit am Handy zu verprassen, kann es gar nicht fassen wie viele Morgenmomente mit uns unter verschiedene Dächern wir schon in die Vergangenheit haben fließen lassen.
Aber zu euch zu fahren heißt immer noch nach Hause zu kommen, und was ich euch an Geschichten und handfesten Dinge zu verwahren gebe wird egal wie banal immer noch ernst genommen. Beim Anblick der Bilder, die von mir im Flur hängen, würde ich mich bei jedem Anderen beklommen fühlen, aber ich weiß, dass hier die Vorteilhaftigkeit der Erinnerung viel mehr zählt als die Vorteilhaftigkeit meines Aussehens.
Befreit von Niedergeschlagenheit ist Unbefangenheit das, was auf unserer Couch für fünf oder mehr auf uns wartet, bereit jede Gemeinsamkeit zu feiern und jede Unterschiedlichkeit zu ehren. Bald steht wieder Zeit zusammen an und ich freu mich darauf, meine Erinnerungen mit euch zu vermehren.

sundays for future // hoffnung

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen auf die Straßen gehen, um ein Zeichen zu setzen, vom wichtig schwätzen zum richtig machen übergehen und sich dafür einsetzen, dass wir weiterhin in einer guten Welt fortbestehn. Diese Sache zieht sich durch die Straßen, am Staatstheater vorbei und füllt die Gassen bin hin zum Landwehrplatz mit lautem Geschrei, gegen das Unrecht.

Steh auf und sei mit dabei ansonsten geht es allen die nach uns kommen schlecht, denn das was gerade so unheilvoll in Zahlen gepackt bei Tageschau zu sehen ist, von brennenden Wäldern und schmelzenden Gletschern und aussterbenden Tieren, das gibt es alles echt.

Was ist das was Diktatoren das Fürchten lehrt? Was ist das, was jedes kleine ausgehende Herzensfeuer nährt, und was jeden Gedanken ans Aufgeben erschwert, das was meine eigene Verzweiflung eines Besseren belehrt, mir die Geschenke unterm Weihnachtsbaum beschert und mit mir an der Hand immer wieder zur Quelle neuer Kraft zurückkehrt?

Hoffnung.

Dieses Wort, das eine Sache beschreibt, die manchmal zum schneiden dick und doch unsichtbar ist, sich in keiner Maßeinheit misst, und doch so mächtig über Geschicke bestimmt, dass man sie ernst nimmt: Dort am stärksten, wo man sie wegen all der Dunkelheit am wenigsten vermuten will – Hoffnung.

Neue Kraft, das klingt vielleicht wie Musik in deine Ohren.

Es gibt hier jetzt die Einen, die strotzen nur so vor lauter Kraft, dass sie ihnen aus allen Poren dringt, und es gibt die Anderen, die mehr so wie ich sind, die das Leben fast tagtäglich in die Knie zwingt während es sich anfühlt als ob einem nur zwölf Prozent von allem was man angeht gelingt. Vielleicht startest du oft beschwingt in den Tag mit dem Vorsatz, dass heute wirklich alles gut wird, du einfach dein Bestes gibst und alles nicht so schlimm ist wie vielleicht ausgemalt, und am Nachmittag zittert dein Herz und schreit deine Vorsätze an:

DU HAST DICH GEIRRT,

 alles was dir an guten Vorsätzen im dummen Gehirn rumschwirrt wird dich nur verletzen, erwarte nichts, niemals, dein Erfolg wird ausbleiben, die Nachricht auf die du gehofft hast, wird dich versetzen wie schon so oft und du wirst all die zerbrochenen Scherben des Vertrauens auf das Gute mit Tränen der Ernüchterung benetzten.

Wie dumm du bist, dass du noch glaubst spottet mein Verstand.

Du solltest aufgeben und stumpf vor dich hinleben, und niemals mehr ausgeben als du dir wirklich genau kalkuliert leisten kannst, und die Angst, mein Freund die Angst die dir wachsam im Nacken sitzt, die ist die Stimme auf die du hören solltest. Erinnerst du dich noch an eine Situation, in der du mal trotzdem weitermachen wolltest und gesagt hast: Neee ich glaub aber voll fest daran, das ist meine Hoffnung: dass die Eisbären nicht aussterben, dass meine Oma gesund wird, dass ich es endlich schaffe aufzuhören zu rauchen und dass andere aufhören mich nur dann zu brauchen, wenn es ihnen schlecht geht, daran, dass aus zerrütteter Beziehung unmögliche neue Freundschaft und Annahme entsteht und daran, dass trotz ständigem auf der Stelle treten und drohendem Abgrund mein Leben noch weitergeht

Vielleicht ist alles, was dich gerade über Wasser hält die Hoffnung auf eine neue Welt.

Diese Erde müssen wir nicht festhalten, sie wird vergehen, begraben werden wie Herbstlaub unter Schneewehen, die riesigen Wellen und Winde der Fluten und Gewalten werden die Natur nicht mehr gestalten und wir Menschen werden nicht mehr die sein, die eingesetzt wurden, um zu verwalten, nichts bleibt beim Alten, stattdessen etwas wirklich wunderbares Neues entstehen.

Hoffnung meine gute Freundin, dich lasse ich niemals los. Du bist das Floß auf dem ich vertrauensvoll über Abenteuerflüsse schiffe. An dir halt ich mich fest, du bist einer meiner letzten Griffe in die vermeintliche Luft wenn der vermeintliche Weg in die Gruft ansteht.

Es gibt nen Songtext der geht:

Es gibt noch Hoffnung gib nicht auf, denn Gott ist bei dir, vertrau darauf, es scheint ein Licht in der dunkelsten Nacht, Gott verspricht, dass er keine Fehler macht. Keine Fehler?

Ich habs mal ausprobiert, schon öfter ehrlich gesagt, mein Vertrauen auf diesen vielleicht vermeintlichen Gott gesetzt, und manchmal nur drauf gewartet, dass er versagt, ihm trotzdem jeden Tag mein Leid geklagt und einmal trotzig nicht verzagt, ganz fromm an das geglaubt was ich nicht sehe, aber im Verborgenen liegt.

Und dann, mitten im Hoffen, dann werde ich auf einmal aufgeregt,stehe voller Erwartung auf, von meiner Ersatzbank des Lebens und entdecke voller Erstaunen und Ehrfurcht etwas, dass wie die unfassbar glanzvolle Wahrheit auf mich zufliegt:

Mein Gott hat diesen unbesiegbaren Riesen besiegt? Über alle miesen Alltagssituationen gesiegt, sodass jeder Gedanke an Unmöglichkeit verfliegt!

Er ist größer als ich gedacht habe, dass er sei, kommt nicht nur auf nen Sprung in meinem und deinem Leben vorbei und tätschelt mir den Kopf sondern greift voller Güte da ein wo Hopfen und Malz verloren war.

Wir feiern bald, dass die Jungfrau den Sohn gebar, und wenn mich jetzt jemand fragt, warum mir die Sorge nicht das Herz zerfrisst, dann kann ich immer wieder sagen, dass dieser Jesus, kleines Kind, Mensch voller liebe, allmächtiger Gott, meine ganze wunderbare Hoffnung ist.

Ein Mädchen sitzt im Büro, und die Atmosphäre, die sie mitbringt, ist so drückend, dass man sie hätte zerschneiden können. Sie sitzt auf dem Besucherstuhl. Ihr junges, schmales Gesicht ist eins von denen, auf denen das Lächeln sich nur auf der Oberfläche kräuselt, aber als ich sie anschaue nehme ich nochmal wahr, wie hübsch sie ist. Ihre mandelförmigen Augen blicken unruhig und kalt im Raum umher, jedes Blinzeln ist wie ein Schuss auf ihr Gegenüber. Die Munition besteht aus kugelförmiger Intensität, mal scharfe Aufmerksamkeit, mal Empörung, mal Dramatik. Aber jetzt sind es Schmerz und Wut.

Sie rührt mich, und ich würde ihr in all ihrer Anspannung gerne eine Freundin sein, was natürlich vollkommen utopisch ist, da sie nur ein Mädchen ist, was zufällig in dem Büro meiner Chefin sitzt, während ich auch nur ein Mädchen bin, was zufällig hier sitzt. Als sie ihren Pullover über den rechten Arm herunterzieht, sieht man schwarze Prellungen, die ihre Erzählungen noch dunkler färben. „Ich wollte halt die Beine nicht breit machen, mir solls doch auch bisschen Spaß machen. Aber jetzt bin ich durch mit ihm.“. Das andere Mädchen mit den dunkleren Haaren und dem neckischeren Augenaufschlag war williger gewesen, hatte ihn mehr als nett angelächelt. Die Nacktbilder, die sie ihm geschickt hatte, hatten am Tag danach auch alle anderen schon gehabt. „Wie eine Hure“. Alles offengelegt, alles verletzlich, alles so, so dumm.

Und hier sitzt die Andere, Betrogene, mit der Stimme, die klingt, wie raues, zerbrochenes Glas. Ich hätte nur die Hand ausstrecken müssen, um sie zu berühren, eine Brücke mit meinem Arm zu bauen, um die tröstenden Worte schneller zu ihr herüberzuschicken. Was hat dich so geblendet, hätte ich am liebsten gefragt. Aber eigentlich weiß ich, wie schnell man sich blenden lässt und auf einmal regungslos stehen bleibt, auf der Straße, die man überquert hat, ohne zu wissen, dass es eine tödliche ist, festgefroren im Scheinwerferlicht. Sie sitzt starr auf ihrem Stuhl und die Fingerknöchel zeichnen sich weiß unter ihrer Haut ab, als sie sich an die Tischkante klammert. „Ich habe angefangen ihn zu schlagen. Und dann hat er zurückgeschlagen.“

Diese Geschichten zu hören ist mir inzwischen nicht mehr fremd. Und es ist so seltsam, dass sie so alltäglich sind, dass ich selbst die Schockstarre verliere, in der ich früher verharrt hätte. Aber ich rede weiter mit dem Mädchen, als wären das alles Dinge die passieren, die furchtbar sind, aber die eben passieren. Ich werde nie aufhören ihnen allen zu sagen, wer sie sind, aber ich werde immer gelassener während ich das tue.

Sie verabschiedet sich und lacht, und ich weiß, dass dieses Lachen bedeutet, dass das Leben für sie gerade okay ist.

ELI

Piano and Hammond neatly rested in the center of the place of worship. The choir left, it is late and all the eyes can make out in the smooth blue night light are the shapes of the instruments. Then the rhythmic sound of sweeping is heard. A middle aged man with a broom taking care of the holy place. You hear his singing, probably because the acoustics make his voice grander in the hall, but some notes are rough, still, a passionate heart beating behind them is heard. Just a humble servant taking care of temple.

‚All the street lights, glowing
Happen to be just like moments, passing
In front of me, so I hopped in the cab and
I paid my fare, see I know the destination..‘

A blink of the eye and the man is joined by a piano glistening with the stars in his best language furthermore, while the Hammond enriches the depth of the moment with its warm pipes. The servant is singing, supported discreetly by a brother embellishing around his melody. He sings these lines over and over, It is a raw, emotional, honest without shame and pride. Offering himself to Him.

I wouldn’t encounter this song until I heard Daniel Ceasars‘ rendition many years later, wondering who could write such a song that fit perfectly to my view on life back then. A song about being too slow for the world, fearful of not being able to grow and mature, uncertain of the future. All these memories I had, the heartbreaking and uplifting, passed me by too quickly. It was this rendition that I listened to most of the time where I didn’t know what God planned and where He took me. Little lights of memorable moments and in between and front of me. Where does this road go? Why is it so dark between the lights? Why am I moving too fast? One moment led to the next, not ever grasping the full context. I remember multiple walks home late at night in the cold air while listening, contemplating, trying to make sense of it all. It became a special song to me.

As I found out who really wrote Streetlights, and on which album it appeared on, it took me back to the time as a ten year old kid when I was playing songs out of 808s and Heartbeaks from my PSP. When having a sleepover at my cousins place was a rare gift that was only granted on seldom occasions, in turn fully living out every second I was there. The album just came out, and my older cousin, which I will forever be grateful to have been influenced and defined by in terms of music, was playing it on repeat, having listening sessions with us. But we only let the hard hitting beats on the album play, skipping the songs that were more subtle and slow. Streetlights was never part of the memory. Welcome to Heartbreak, Amazing, Robocop, Heartless and Love Lockdown were the most prominent songs and the ones that were loaded on my PSP. It was the start of a new world to explore for a ten year old filipino-german kid, back then, when everything was new.

Now almost eleven years later, after this album helped shape an entire generation of new rappers, after witnessing a whole lot of mistakes, stage crashes, red hats, and mental breakdowns, women over women- after self harming thoughts and constant self judging, after years of crippling self confidence and convinced insignificance, after finding street lights –

I sat there, looking at him sing it, expecting the last line to be

‚But I’m just not there‘

Yet, I heard,

‚God took me there.‘

The questioning turned into answering, the suffering turned into healing, the sinning into redeeming. From a self-proclaimed god to a humble worshipper. From a kid with no meaning to a man of purpose. The ego and the self-critic came to the same truth, the only way out of our search for purpose and fulfillment. And in that holy place, dimly lit by blue lights, with the piano and the Hammond playing, with the servant holding the broom singing, I was singing with him. In awe of that one changed lyric, applied to my life once again and on the deepest level. We both looked back at the street lights, in the presence of this truth, and this love and it all made sense. This answer.

JESUS IS KING.

Verheiratet Vol. 1

Ein goldener Ring steckt an meiner linken Hand. Er ist das Ebenbild des Bruders den mein Mann trägt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt „mein Mann“ zu sagen. Schwieriger ist es einen neuen Namen zu verinnerlichen. Dieser neue Nachname ist jetzt meiner, den alten lege ich Stück für Stück in die Schublade der Erinnerungen. Jedes Mal wenn ich mich am Telefon melde oder einer Dozentin meinen neuen Namen nenne, komme ich mir vor wie ein kleines Kind das erwachsen spielt. Ich erwarte unwillkürlich, dass gleich jemand aus dem Off springt und ruft: „Was soll das Vero, jeder weiß, dass das nicht dein echter Name ist!“. Dann fängt die andere Person am Telefon an zu kichern und meine Dozentin zwinkert. Wie wenn man Prinzessin oder Detektivin spielt. Dann fällt es schwer, zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Was ist echt und was ist Wunschdenken? Darum bin ich dankbar, für das schimmernde Stück Metall an meinem Finger. Unaufdringlich und unverschnörkelt unterstreicht es meinen neuen Beziehungsstatus. Dann erinnert mich der Ring auch an mein „Ja“ mit Nachruck vor dem Altar in der schönen Kirche gegeben, vor fast allen Menschen, die ich liebe. Sie waren da, sie wissen es. Ich hoffe es bleibt noch ein bisschen so, sich an etwas zu gewöhnen passiert immer, wenn man aufhört darauf zu achten. Irgendwann vergesse ich bestimmt auch, wie meine alte Unterschrift ging und wie sich der andere Name angefühlt hat. Ich denke viel nach und drehe jedes Gefühl am liebsten dreimal um, bis ich auch selbst daran glaube, dass es sich erstmal nicht mehr ändert. An einem Ring drehen erweist sich als ziemlich hilfreich dabei.
Am verheiratet sein mag ich sehr: Das immer Zusammensein und das nicht mehr alleine Aufstehen. Jeder Tag hat die Konstante der Präsenz dieser anderen Person, die ich mehr liebe als alle Anderen. Ich habe mal auf einem Blog von einem frisch verheirateten Mädchen die Aussage gelesen: Verheiratet sein ist wie ein ewiger Sleepover mit deinem besten Freund. Dieses Bild finde ich sehr schön und sehr passend. Es ist eine Übernachtungsparty im Alltag, nicht immer, aber oft und ich versuche einfach nie zu vergessen, dass das mein bester Freund ist, der da neben mir liegt, und nicht nur der andere Teil meiner kleinen Familie und mein Mann.
Beim Nachdenken ist mir auch aufgefallen, wie ausschlaggebend die Entscheidung war, die ich vor drei Jahren getroffen habe. Da lag sehr viel mehr in dieser Entscheidung als nur die Wahl eines etwas abgespaced klingenden Studienfaches und einer Stadt, die klein und unbedeutend auf der Landkarte aussah. Ich weiß noch wie Gott damals geflüstert hat „mach das ruhig, das ist der Weg, den ich dir eröffne“. Ich wusste nicht wohin es geht, was mich erwartet, noch ob ich jemals mit diesem komischen saarländischen Dialekt klar kommen würde. Ich hatte Angst an einen Ort zu gehen, an dem ich stecken bleiben und meine Träume aufgeben würde. Ich hatte Angst meine Selbstständigkeit und meine Abenteuerlust zu ersticken.
Aber vor etwas mehr als einem Monat hab ich dann den Weg in eines der größten Abenteuer überhaupt gewagt, weil ich weiß, dass Gott dabei ist. Es ist nur eins von vielen, die sich durch das Leben in dieser Stadt ergeben haben und ich bin sehr überrascht darüber, dass mein Tatendrang hier kontinuierlich gewachsen ist. Es gibt tatsächlich noch größere Abenteuer als das Leben als Vagabundin und Künstlerin, von dem ich früher geträumt habe. Ich wurde dazu eingeladen mich einfach darauf einzulassen und das mit dem Aufgeben zu vergessen. Das ich es kaum erwarten kann, muss man wohl nicht erwähnen.

mehr oder besser ging irgendwie nicht

Beziehungsarbeit. Ich komme die Tür herein und im Klassenraum sitzen fünf Jugendliche, die hier ihre Ausbildung machen. Cheyenne erzählt lautstark wie sie diese eine dumme Fotze aus der Parallelklasse verprügelt hat und Melisa stimmt mit ein. Gelächter. „Ich hätt derre so eine ringezoh dass es am End die Zähn wieder grad gehott hätt.“. Evelyne hat ihr Handy unterm Tisch versteckt und sitzt schweigend und zurückgezogen mittendrin. Ich ignoriere die Handysache, weil es mir egal ist, solange sie später in der Praxis ordentlich arbeitet. Gestern hat sie mir entgegen ihrer sonst ruppigen Art fast kleinlaut erzählt, dass sie sich ihre Bankkarte von ihrer Mutter zurückgeholt hat, weil diese ihre seit ihrem ersten Ausbildungsgehalt „verwaltet“ hat. Von den 600 Euro Lohn hat Evelyne 50 Euro pro Monat gesehen. Ihre Haare sind zurückgekämmt und in einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und ihr Gesicht sieht dadurch noch mehr so aus als wäre die Haut einfach wie dünnes Papier über ihre Knochen gespannt worden. Sie isst nicht gerne, nicht, weil sie sich bewusst dazu entscheidet, sondern weil es ihr glaube ich an Lebenslust fehlt.

Bleierne Müdigkeit liegt in meinen Armen und Beinen. Irgendwie ist heute einer dieser Tage, an denen ich jede noch so kleine menschliche Bürde nicht mehr ertrage. Alles ist so schwer, die Atmosphäre geladen mit so viel Druck, so viel Sehnsucht und Nicht-Ankommen, so viel Verlangen. Ich fühl mich manchmal als würde ich die Richtung kennen, in die es geht und dahin laufen, aber alle Anderen setzen sich wie Felsbrocken auf den Weg und starren stumm Löcher in meinen Rücken, bis ich die Spannung nicht mehr aushalte und mich zu ihnen umdrehe. Wieso lauft ihr nicht selbst? Ich geh auch voran, aber ziehen kann ich euch doch nicht, nicht alle! Jeder von euch weiß es doch eigentlich!

Neues kann man den wenigsten Menschen erzählen. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig wissen. Das Problem ist, dass wir zu viel fühlen was in dem Moment passiert und dem mehr Glauben schenken als allem, was wir eigentlich schon erlebt und ausgewertet haben. Erfahrungswerte muss man festhalten und ihnen immer wieder neu Bedeutung zu sprechen, sonst sind sie erfahrungswertlos. Kennst du das, wenn es Winter ist, und du seit Wochen in Jacke rumläufst? Wie schwer ist es, sich vorzustellen, man ganz lange Nachts nicht mal einen Pullover drüberziehen musste, weil es so heiß war? Alles was mal war, aber gerade nicht so ist, erscheint vollkommen unwirklich. Und deshalb fällt es uns so leicht die Datenbank der Wahrheit in unserem Gehirn mit akuten Emotionen und Ängsten zu überschreiben.

Ich helfe gerne, mit allen Beinen, Händen und Herzen, die ich habe, aber immer wieder reicht es wohl nicht. Was heißt denn dieses „Es hat gereicht“? Dass die Person ganz und sich selbst genug ist? Dass sie sich für das Richtige entschieden hat und dabei bleibt? Dass sie gesund ist, und im Schnitt fähig ist, ein gutes Leben zu führen? Ganz ehrlich, dann wird es niemals reichen. Die gesamte Energie meines ganzen Lebens zusammengebündelt würde das nicht vermögen. Woher ich das weiß? Weil sie oft nicht einmal genug ist um mich selbst bei Laune zu halten.

Punktuelles Investieren funktioniert bei einer Reaktion von einer Eisen/Schwefel-Pyramide. Einmal katalysiert und das Ding läuft von selbst ab. Menschen sind eher wie kochendes Wasser oder so. Man braucht eine Menge Zeit sie anzuheizen und ohne Wärmezufuhr fällt die Temperatur schnell. Aber Menschen können sich (zumindest oft) aussuchen, welchem Umfeld sie sich aussetzen. Gefrierschrank oder Herdplatte?

Wann soll ich jemanden sein eigenes Ding machen lassen, ohne ihn mehr zu ziehen, ihm zu sagen „Probiers doch nochmal“? Wann dränge ich jemanden in eine Farce hinein, indem ich ihn ermutige weiterzugehen? Wie lange gilt ‚fake it til you make it‘ ohne, dass der ungesunde Fake bleibt? Ich muss mich selbst oft genug davon überzeugen, dass alles doch nicht so schlimm ist, dass die Sonne wieder aufgehen wird, dass es nicht weniger Gott im Schatten gibt, und dass die Wahrheit nicht auf einmal nonexistent ist, wenn es regnet und ich sie nicht sehe. Ich denke, es ist richtig nicht nur die Wahrheit so zu nehmen wie die Gefühle kommen, und mich manchmal dazu zu entscheiden, an das zu glauben, was ich nicht sehe.

Es wäre so oft einfacher zu sagen „Mach was du willst, es ist dein Leben.“. Das zu sagen wäre berechtigt. Denn es ist dein Leben, und ich darf niemals vergessen, dass meine Entscheidungen allein in mein Leben gehören und nicht in deins. Sonst werde ich immer dich dafür verantwortlich machen, dass du meiner Entscheidung nicht gefolgt bist und keinen Bock auf die Extrameile hattest, die ich für dich gegangen bin. Mein Fehler. In meinem Lieblingsbuch steht: „Gib alles was du gibst so, dass du es nicht zurückbekommen müsstest.“ Denn oft kriegt man es nicht zurück. Ich kann es mir sehr gut überlegen, was ich gebe, mir sagen, okay, diese Ressource behalte ich für mich, die brauche ich. Denn alles was weg ist, ist weg. Es gibt keine Garantie dafür, dass etwas zurückkommt, und vor allem auch keinen Anspruch auf Entschädigung.

Alles richtig machen zu wollen – das kenne ich. Sich selbst klein und lächerlich  und mickrig zu fühlen – das kenne ich auch. Sich selbst zu hassen und wehzutun – das kenne ich nicht. Aber ich kenne die Ansätze der Dinge, die einen unglücklich machen und auch die, die einen glücklich machen gut genug  um zu wissen, dass es nie schlechter wird, wenn man jemanden hat, mit dem man reden und lachen kann, und bei dem man auf der Couch sitzen kann und sich zuhause fühlen darf, auch wenn die Person gar nicht da ist. Ich hab ne Couch und im Lachen bin ich ganz gut, dann bekommst du halt einfach das, bis mir was Besseres einfällt.

Wundersame Menschenwesen, das Schönste dieser Welt, was mir je begegnet ist, und trotzdem so viel Schutt und Asche in jedem Leben. Ich würde immer wieder alles darauf setzen. Nicht weil Menschen so verlässlich sind, oder so viel Güte und Freundlichkeit in ihren Taten liegt, das kommt zwar auch immer wieder vor, aber ich weiß von mir selbst am allerbesten, dass ich in einer einfachen Kosten-Nutzen Abrechnung immer noch mehr Ressourcen verbrauchen würde als welche zu schaffen, als diese Welt besser zu machen, was auch immer das heißen soll.

Trotzdem, Mensch, wenn du vor mir stehst, dann kann ich nicht anders, als zu sagen, du bist es wert. Und das ist vielleicht oft der erste Tropfen im Glas der Wertschätzung des anderen Lebens, das nach oben hin gar keinen Rand hat. Deswegen wird auch nie reichen, was ich ausgieße. Aber mit jedem Mal wird es ein bisschen reicher. Und das reicht mir.

Wert schenken

– „Wärt ihr nicht gewesen, wäre ich vielleicht nicht hier geblieben.“

– „Wegen euch bin ich in diese Stadt gezogen.“

– „Wegen euch bin ich hierher zurück gekommen.“

[Ein Gespräch unter Freunden, das mir immernoch Gänsehaut verursacht, wenn ich daran denke.]

Ohne euch wäre es nicht mal halb so schön hier. Ihr macht aus jedem beliebigen Ort (m)ein Zuhause. Danke.

Ein Hoch darauf, dass wir mit Worten Wert schenken können!

Aus gewisser Entfernung betrachte ich eure Gesichter, umtanzt von kleinen Lichtpunkten, die sich mit mir an eurer Schönheit zu freuen scheinen. In euren Gesprächen verweben sich Mimik und Gestik. Aus dieser Distanz gesehen – eine einzige Interaktion: Wie ihr einander anseht, voller Freundlichkeit und ernst gemeinter Anteilnahme. Jedes Lachen ist ehrlich und darum so überaus ansteckend.
Mittlerweile kenne ich euch schon so gut, dass ich schon ungefähr weiß was ihr zueinander sagen könntet und doch könnt ihr mich immer wieder überraschen und umwerfen. Ich bin immer wieder aufs Neue begeistert von eurer Art und eurem Einfallsreichtum, mit dem ihr Freude und Liebe verschenkt, als wäre es das Einfachste auf der Welt.
Mein Leben wird mit euren Farben eingefärbt und wird dadurch um so viele Nuancen bunter. Der Klang eurer Stimmen eilt euch voraus, sodass ich schon lächeln muss bevor ich euch schließlich um die Ecke biegen sehe.
Mit euch fühle ich mich einfach wohl. Und das bedeutet mir so viel. Ihr seid Familie.

Wir feiern uns, wir feiern dich. Denn es gibt immer einen Grund zu feiern und sei es „nur“, dass du geboren bist. Wie schön. Wie überaus – und wunderschön.
Welch grandiose, wunderbare, hervorragende, herrliche, famose Wirklichkeit, die ich mit dir teilen darf.
Wie schön, dass es dich gibt!

 
~ Anne